Das Thema Rost ist beim Youngtimer-Kauf aus zwei Gründen interessant: Zum einen ist der Rostbefall nicht immer offensichtlich, sondern manchmal sehr versteckt. Zum anderen bedarf es einer Einordnung, wie kritisch eine Roststelle im Einzelfall zu bewerten ist. Da ich in diesem Jahr mal wieder aktiv auf der Suche nach einem neuen Youngtimer bin, ist das Thema für mich gerade auch sehr aktuell.

In diesem Beitrag fasse ich deshalb zusammen, worauf es mir ankommt und wie ich bei meiner Suche mit dem Thema Rost umgehe.

So einfach ist Rostbefall beim Youngtimer-Kauf in aller Regel nicht erkennbar 😉

Ein „rostfreier“ Youngtimer ist in Inseraten nicht schwer zu finden 🤔

Geht man nach den Youngtimer-Inseraten, ist der Fall eigentlich einfach: In den Fotos stößt man nur in den seltensten Fällen auf ehrliche Fotos mit Rostbefall (die rühmlichen Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel). Hinzu kommen viele Inserate, in denen der Verkäufer ein „rostfreies“ Fahrzeug verspricht.

Hier wird ein Jaguar der Baureihe X300 inseriert: „Der Wagen ist rostfrei und in einem wirklich tollen Zustand“. (Bildquelle: kleinanzeigen.de)

Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Verkäufer großzügig mit der Begrifflichkeit „rostfrei“ umgehen (auch hier bestätigen die rühmlichen Ausnahmen die Regel). Wenn man kritisch nachfragt oder vor Ort ist, wird über Oberflächenrost als „normal“ hinweggesehen, und punktueller Falz- und Kantenrost ist „keine große Sache“. Im Ergebnis sind nachher schnell einige Tausend Euro fällig, und das wahre Ausmaß offenbart sich ohnehin erst nach dem dritten Werkstattbesuch.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Verkäufer großzügig mit dem Begriff „rostfrei“ umgehen.

Typische Frage beim Youngtimer-Kauf: Rostige Fahrwerkskomponenten, aber das Auto sei ansonsten rostfrei – ist das glaubwürdig?

So habe ich es beispielsweise bei meinem Jaguar X308 erlebt, in den ich in den ersten 10 Jahren rund 10.000 Euro in Rostbeseitigung und Rostvorsorge investiert habe, wie mein damaliger Kassensturz in diesem Beitrag offenbart hat. Bei meinem nächsten Youngtimer würde ich mir diese Ausgabe gerne ersparen, in dem ich vorher genauer hinsehe. Worauf muss man dabei also achten?

Was ist Rost und warum entsteht er an bestimmten Stellen? 🤔

Rost ist das Ergebnis einer chemischen Reaktion zwischen Eisen, Sauerstoff und Feuchtigkeit (und nichts anderes als Eisenoxid). Sobald Wasser und Luft an blankes Metall gelangen, beginnt ein Prozess, bei dem Elektronen vom Eisen auf den Sauerstoff übertragen werden (Sauerstoffkorrosion). Noch schneller passiert das, wenn Salz oder Schmutz auf der Karosserie liegen, weil sie den chemischen Prozess beschleunigen (Säurekorrosion).

Im Laufe der Zeit löst sich das Metall langsam auf und bildet die typisch bröselige, braune Schicht. Das Problem: Diese Schicht bietet keinen Schutz mehr vor weiterer Zersetzung. Und weil Blech und Metall insbesondere an bestimmten Stellen beim Fahren viel Feuchtigkeit, Vibrationen und Steinschlägen ausgesetzt sind (und oft genug noch Salz hinzukommt), reichen schon kleine Schäden, damit Rost sich entwickeln kann.

Blick hinter die Tankklappe eines BMW Siebener der Baureihe E32: An einer solchen Stelle kommen Feuchtigkeit von stehendem Wasser und die Reibung miteinander verbundener Bleche zusammen. Deswegen ist es eine typische Roststelle. Hier mag es noch nicht dringend sein, aber wenn man das nicht gründlich angeht, breitet sich der Rostbefall weiter aus.

Rost entsteht beim Auto deshalb typischerweise da, wo folgende Einflussfaktoren zusammenwirken:

  • Kanten oder Falze, zum Beispiel bei Blechverbindungen, an Schweisspunkten, in Wagenheberaufnahmen, in Schraubverbindungen, etc.
  • Besondere Feuchtigkeit, vor allem durch Ansammlungen von Regenwasser (wie hinter der oben abgebildeten Tankdeckelmulde) oder Verschmutzungen wie im Kotflügel oder Radkasten
  • Beschädigungen des Lacks oder Rostschutzes durch Steinschlag und Salz auf der Straße, wie in den Kotflügel, Türunterkanten oder am Unterboden  

Es gibt je nach Modell typische Stellen, die man kennen sollte 🕵️‍♂️

Rostbildung bei einem Youngtimer ist kein „Pech“, sondern wird neben dem Nutzungsprofil und der Pflege vor allem durch seine Konstruktion und Materialqualität beeinflusst. Es gibt deshalb bei der Rostanfälligkeit sehr große Unterschiede zwischen einzelnen Modellen. Es gibt zur Rostanfälligkeit bestimmter Modelle keine repräsentative Statistik.

Typische Beispiele ziehen sich aber wie ein roter Faden durch meine Jahre in der Youngtimer-Szene:

✅ Die Mercedes-Modelle W123, W201, W126 und R129 sind vergleichsweise robust, qualitativ hochwertig und bei entsprechender Pflege wenig rostanfällig. Ähnliches gilt für Modelle wie den BMW E32 und E38. Auch die Volvo 240, 740 und 940 gelten als sehr haltbar. Ebenso genießen Audi 80 B3/B4 und Audi 100 C4 mit teil- bzw. vollverzinkter Karosserie den Ruf, sehr widerstandsfähig gegen Rost zu sein. 

❗️Als rostanfällig gelten dagegen zum Beispiel Fiat Ritmo, Tipo I, Uno, oder auch Alfa Romeo Alfetta, GTV6, 75, 155. Das gleiche gilt typischerweise für ältere Peugeot. Ebenso sind die Jaguar-Modelle XJ sowie der XJS tendenziell rostanfällig.

⚠️ Hinweis: Das sind allgemeine Eindrücke, die ich immer wieder bestätigt gefunden habe, die aber natürlich nicht immer gelten. Im Einzelfall kann ein verbrauchter Mercedes W126 aus Bayern viel rostiger sein als ein topgepflegter Jaguar XJ aus dem sonnigen Süden.  

Drei schicke Coupés, alle faszinierende Klassiker – aber wenn ich Rost finden müsste, würde ich definitiv als erstes beim Jaguar suchen (so sehr ich die Marke mag)…

Warum rosten unterschiedliche Marken und Modelle der 90er Jahre unterschiedlich stark?

Die sehr unterschiedliche Rostanfälligkeit verschiedener Youngtimer-Modelle liegt vor allem in diesen vier grundsätzlichen Merkmalen bedingt:

❗️Unterschiedliche Stahlqualitäten und Rostschutz-Maßnahmen
Blechlegierungen und Stahlqualitäten unterschieden sich merklich je nach Hersteller, Epoche und sogar Modellreihe. Das hatte spürbaren Einfluss auf die Rostanfälligkeit. Nicht jeder Hersteller bezog sein Blech in gleicher Güte. Manche setzten auf höher legierte, reinere Stähle mit besserer Korrosionsbeständigkeit, andere auf einfachere Tiefziehstähle, die sich gut verarbeiten ließen, aber schneller rosteten. In den 80er und 90er Jahren wurde auch oft am Korrosionsschutz gespart. Weniger Hohlraumversiegelung und einfache Lackaufbauten waren günstiger, rosten heute aber schneller.

❗️Fehlende (oder nur teilweise) Verzinkung
Vollverzinkte Karosserien waren lange die Ausnahme (Porsche und Audi waren sehr früh dran). Viele Modelle hatten anfangs auch nur eine teilweise Verzinkung – besonders an Schwellern, Radläufen und Türen. Wichtig: Selbst wenn „verzinkt“ draufstand, gab es große Unterschiede: feuerverzinkt vs. galvanisch verzinkt; einseitig vs. beidseitig; komplette Rohkarosse vs. nur Außenhaut.

❗️Konstruktive Schwächen
Wasserabläufe, die zu klein sind, sich zusetzen, oder ganz fehlen, ungünstige Falze, doppelte Bleche oder schlecht belüftete Hohlräume wirken alle wie kleine Rostbrüter. Ein Klassiker: Stehende Wassertropfen in Türen, hinter Radhausschalen oder unten am Heckscheibenrahmen.

❗️Materialmix & Kontaktkorrosion
Alu trifft Stahl, unterschiedliche Blechqualitäten treffen aufeinander – ohne saubere Trennung entsteht Kontaktkorrosion. Damals wurde darauf viel weniger geachtet als heute.

Eine der typischen Stellen für Durchrostung beim Jaguare X308 ist das Radhaus vorne links: Der Rost entsteht hier infolge von konstruktiv bedingter Reibung und Feuchtigkeit gerne zwischen den dreilagigen Blechen und wandert nach außen. Hier müssen dann großflächig neue Bleche eingesetzt werden.

Viele Youngtimer rosten deshalb an Stellen, an denen man es zunächst gar nicht sieht – ein Phänomen, das man auch „verkäuferfreundlichen Rost“ nennt. Typisch sind innere Radlaufkanten, die außen noch glänzen, während sich dahinter schon Feuchtigkeit und Schmutz festsetzen. Auch die Schweller unter Kunststoffverkleidungen können von außen tadellos wirken, obwohl darunter bereits tragende Bleche angegriffen sind.

Meine 10 Schritte zur Bewertung von Rost beim Youngtimer-Kauf

Versteckten Rost erkennt man am besten, wenn man versucht, gezielt Einblicke „ins Innenleben“ der Karosserie zu erhalten. Damit meine ich versteckte Stellen, deren Zustand sich zeigt, wenn man Dichtungen anhebt oder mit einer Taschenlampe in verborgene Ecken leuchtet. Für mich beginnt diese Suche nach Rost aber, bevor ich mich auf den Weg zum Fahrzeug vor Ort mache. Ich habe im Laufe der Jahre leidvoll verinnerlicht, dass auf die Aussage „rostfrei“ in einem Inserat wenig zu geben ist – genau genommen ist das ein sehr großes Wort, mit dem leichtfertig umgegangen wird.

1️⃣ Ich frage den Verkäufer bei meiner Kontaktaufnahme direkt, wie es um das Thema Rost steht. Man bekommt schnell ein Gefühl dafür, inwiefern der Verkäufer zu dem Thema überhaupt aussagefähig ist; nicht jeder Youngtimer-Besitzer hat sich mit dem Thema schon tiefergehend beschäftigt. Immer wieder gibt es auch ausweichende Antworten – auch ein Hinweis…

2️⃣ Wenn die Aussage lautet, dass das Fahrzeug kein Rostproblem hat, frage ich nach Fotos vom Unterboden. Eigentlich sind derartige Fotos bei Tageslicht mit einem Smartphone unter dem Auto nicht schwer zu machen; dennoch sind sie kaum in Inseraten zu finden. „Idealerweise“ sollte ein Youngtimer-Inserat solche Fotos direkt enthalten, finde ich.

Gibt es vereinzelt durchaus: Youngtimer-Inserate, die mit gut sichtbaren Fotos auf den Zustand des Unterbodens eingehen – vorbildlich!

Wenn sich dieser Dialog vielversprechend entwickeln, geht es bei der Besichtigung vor Ort weiter:

3️⃣ Bei geöffneten Türen empfiehlt sich ein kritischer Blick mit der Taschenlampe auf die Randbereiche der Einstiegsleisten. Je nach Modell treffen hier Schweisskanten aufeinander und/ oder Feuchtigkeit sammelt sich dort. Hier ist ein Beispiel aus einem BMW 730i der Baureihe E32 zu sehen: Wenn der Rost unter der Verkleidung schon so sichtbar wird, wartet eine einigermaßen dringende Behandlung.

Bei der Besichtigung sollten jetzt die Sinne geschärft sein, ob noch weitere Rostnester zu erahnen sind.

Wenn der Rost unter der Verkleidung des Schwellers schon so sichtbar wird wie bei diesem BMW E32, wartet eine einigermaßen dringende Behandlung.

4️⃣ Dann die Eckbereiche rund um die Türen kritisch beleuchten – hier treffen ebenso Bleche aufeinander und sind der Feuchtigkeit ausgesetzt. Die Roststelle in diesem Jaguar X308 ist noch nicht kritisch, aber muss behandelt werden.

Türkanten offenbaren an der unteren Seite gerne Rostansatz, da sich hier das Regenwasser in den Ecken sammelt und auf Schweißnähte trifft, an denen Bleche in der Bewegung gegeneinander arbeiten. Diese Stelle wirkt klein und unscheinbar, ist aber faktisch sicherlich deutlich größer als hier sichtbar.

Im Zuge der Türrahmen und Schweller schaue ich mir auch die Unterkanten der Türen an. Sie sind naturgemäß Feuchtigkeit und Steinschlägen ausgesetzt.

Rostige Kante der Fahrertür eines Siebener-BMW der Baureihe E32: Nicht kritisch, aber es besteht ein Handlungsbedarf, wenn man die Tür dauerhaft erhalten möchte.

5️⃣ Im Motorraum gibt es je nach Modell typische Stellen, an denen Bleche Rost offenbaren können. Man sollte dabei auch unter Gummidichtungen schauen. Bei diesem Jaguar X308 beispielsweise war ich einigermaßen überrascht – die Vermutung liegt nahe, dass sich dieses Rostproblem in Richtung Spritzwand und Rahmen fortsetzt.

Wenn es unter den Gummidichtungen im Motorraum so aussieht, ist das kein gutes Omen im Hinblick auf versteckte Rostnester an Rahmen, Spritzwand oder Vorderachse

Je nach Modell kann es im Motorraum auch noch andere kritische Stellen geben, zum Beispiel unter der Batterie.

6️⃣ Weiter geht es mit einem Blick unter Gummidichtungen am Äußeren der Karosserie. In den unteren Ecken der Heckscheibe steht gerne Feuchtigkeit unter der Gummidichtung, was zu Rost führen kann. Wenn es so aussieht wie hier, ist eine entsprechende Maßnahme erforderlich – Heckscheibe raus, Entrostung, Lackierung, Heckscheibe wieder einsetzen.

Wenn es am Rahmen der Heckscheibe so aussieht wie hier, ist eine Behandlung der Karosserie erforderlich

Wenn sich der Rost am Heckscheibenrahmen erkennbar, flächig und von unten kommend ausbreitet, kann es teuer werden. Bei diesem Beispiel an einem Mercedes W 126 würde ich in einer Werkstatt mit Kosten von mindestens 4.000 Euro rechnen.

Beispiel für Rost im Bereich des Heckscheibenrahmens an einem Mercedes W126, der sich möglicherweise von unten kommend flächig ausbreitet – die nachhaltige Beseitigung wird hier schon recht aufwändig.

7️⃣ Im Kofferraum achte ich besonders auf die Reserveradmulde, da sich dort Feuchtigkeit sammeln und Rost entstehen kann. Dabei sollte man die Schweißnähte, Falze und Übergänge zu den Radkästen sorgfältig kontrollieren, weil sich hier Korrosion oft zuerst zeigt. Generell prüfe ich den Boden unter Teppichen oder Verkleidungen sowie die Bereiche unter Dämmmatten auf Blasenbildung, weiche Stellen oder nachträgliche Reparaturbleche. Man sollte sich außerdem die Dichtungen und den Bereich um die Heckklappe ansehen, da eindringendes Wasser langfristig zu Rostschäden führen wird. Generell sollte der Kofferraum trocken sein und auch nicht modrig riechen.

Der Blick hinter die Teppichabdeckung im Kofferraum dieses Saab 9-5 offenbar Handlungsbedarf (Bildquelle: Saab-cars.de)

8️⃣ Besonders interessant sind die Wagenheberaufnahmen, da sie je nach Modell buchstäblich einen Blick ins Innere der Karosserie ermöglichen. Bei einigen Modellen wie z.B. diversen Mercedes-Baureihen ist dazu eine Kunststoff-Abdeckung zu entfernen, was für alle vier Wagenheberaufnahmen bei einer Besichtigung auch tatsächlich geschehen sollte.

Eine kritische Betrachtung aller vier Wagenheberaufnahmen gehört immer zur Besichtigung der Karosserie

9️⃣ Entscheidend ist es bei einer Besichtigung für mich, ein gutes Bild vom Unterboden zu bekommen. Eigentlich sind dazu eine Hebebühne und eine Taschenlampe erforderlich. Bei guten Lichtverhältnissen kann man aber auch, auf dem Boden liegend, einen ersten Eindruck mit der Kamera des Smartphones gewinnen. Diese Bilder von einem BMW 730i (E32) habe ich beispielsweise einfach auf dem Parkplatz bei der Besichtigung gemacht. Sie vermitteln einen Eindruck, wie es von unten aussieht: Nicht völlig rostfrei, aber alles in allem ganz solide – tendenziell kein Flächenbrand.

Interessant sind beim Blick von unten auch die Schweller entlang der Seiten. In diesem Beispiel trifft man auf Oberflächenrost, der noch gut zu beheben sein, aber nichtsdestotrotz dringend angegangen werden sollte.

Gut bei diesem Auto: Man sieht noch den werksseitigen Lack. Weniger gut: Hier ist dringender Handlungsbedarf geboten.

Schwieriger wird die Bewertung, wenn sich das Bild wie bei diesem Jaguar X308 darstellt. Das Gros der sichtbaren Fläche ist rostfrei, aber rund um Öffnungen ist Rost zu erkennen – da wächst das Fragezeichen, wie es darunter aussieht.

Nicht trivial zu bewerten: Hier zeigt sich Rost an einem ansonsten gut aussehenden Unterboden an den Öffnungen in Richtung Innenleben der Karosseriestruktur

Am Unterboden ist auch ein Fokus auf Stellen wichtig, wo Bleche unter dem Rostschutz aufgehen. Eine Schutzschicht wie die auf dem folgenden Foto wurde offensichtlich nicht werksseitig produziert, sondern bei einer Reparatur halbwegs (un-) fachmännisch erstellt. Bei genauer Betrachtung gehen die Bleche unter dem Rostschutz allmählich wieder auf.

Wenn die Bleche unter dem Rostschutz aufgehen, ist das ebenfalls kein gutes Zeichen – auch hier besteht Handlungsbedarf

Wenn hingegen ausschließlich die Achskomponenten rostig sind, ist das nicht unbedingt ein Drama. Sie lassen sich in aller Regel zur Not erneuern, wenn eine Rostbeseitigung nicht mehr möglich sein sollte.

Wenn Anbauteile wie Achskomponenten oder Teile der Abgasanlage rosten, ist das nicht unbedingt ein Drama, da sie sich in der Regel gut austauschen lassen. Allerdings stellt sich bei einem Fall wie hier die Frage, wo der Rost noch überall lauert.

🔟 Zum Abschluss finde ich es wichtig, sich ganz bewusst das Gesamtbild eines Fahrzeugs vor Augen zu führen. In aller Regel ist für mich nicht die einzelne Roststelle kritisch. Ich möchte einem Youngtimer aus dem Weg gehen, der ein grundsätzliches Rostproblem hat, und bei dem ich immer wieder mit Aufwendungen für Rostbehebungen rechnen muss.

Warum sind auch kleine Hinweise ernst zu nehmen? 🔍

Bei aller Gründlichkeit bin ich mir der Tatsache bewusst, dass nicht alle Rostherde bei einer Besichtigung erkennbar sind. Was unter den Plastikverkleidungen der Karosserie oder an der Spritzwand blüht, ist bei einer Besichtigung schlichtweg nicht zu sehen. Die Bilder dieses BMW 5er der Baureihe E34 verdeutlichen das.

➡️ Genau deswegen sind aus meiner Sicht auch kleine Roststellen an Karosserie und Rahmen, die für sich vielleicht gut zu beheben sind, ernst zu nehmen. Sie könnten ein Hinweis darauf sein, dass der Rost auch an anderen Stellen blüht.

Andersherum formuliert: Wenn alle zugänglichen Stellen rostfrei sind, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass an den nicht zugänglichen Stellen größerere Probleme warten.

Herausforderung Unterbodenschutz unter dem Auto❗️

Bei vielen Youngtimern wurde der Unterboden bereits behandelt und mit Schutzmaterialien beschichtet. Dabei wurde der Unterboden oft mit Trockeneis gestrahlt, um den werksseitigen Unterbodenschutz zu entfernen, und dann verschiedenartige Schutzmaterialien aufzutragen. Meist handelt es sich dabei um bitumenbasierte oder kunststoffbasierte Beschichtungen (z. B. PVC- oder Kautschukbasis), die Steinschlag und Feuchtigkeit abhalten sollen. Das ist erstmal eine gute Sache, denn diese Schutzmaterialien schützen Bleche vor Schmutz und Feuchtigkeit.

Dieser Jaguar XJ40 sah nicht ab Werk so schwarz aus, sondern wurde nachträglich mit einem schwarzen Unterbodenschutz beschichtet.

Allerdings haben diese Beschichtungen in aller Regel einen großen Nachteil beim Kauf eines solchen Fahrzeugs: Man kann schlichtweg nicht mehr sehen, was in den Jahren seit der Behandlung unter der Schutzschicht passiert ist. Wenn man den Zustand der Bleche prüfen möchte, müsste man die Beschichtung mindestens stichprobenartig an verschiedenen Stellen abkratzen. Das ist bei einer Besichtigung natürlich kaum möglich!

Das geht bei einer Besichtigung in aller Regel nicht: Stichprobenartiges Abkratzen der Schutzschicht um herauszufinden, wie es darunter aussieht – in diesem Fall rostig.

Ich habe für mich deshalb diese grundsätzliche Entscheidung getroffen (die man natürlich so nicht teilen muss):

⚠️ Ich selbst kaufe keine Youngtimer mehr mit nachträglich aufgebrachtem Unterbodenschutz. Die Intransparenz und das Risiko sind mit zu groß.

Können Karosserieteile aus Aluminium nicht rosten?

Aluminium rostet im klassischen Sinne nicht, da es kein Eisen enthält, es kann aber korrodieren. Die sog. Aluminium-Korrosion entsteht meist durch Kratzer, Kontaktkorrosion mit Eisen oder Edelstahl oder saure Reiniger.

Die Heckklappe des S-Klasse-Coupés C126 ist aus Aluminium und rostet nicht – sie kann aber korrodieren, wie es zum Beispiel bei diesem 420 SEC aus einem Scheunenfund der Fall ist. Auch Alu-Karosserieteile sollten deshalb kritisch auf Aluminium-Korrosion hin untersucht werden.

Gibt es tatsächlich rostfreie Youngtimer?

Ja, es gibt sie. 😊 Allerdings sind sie, wie bereits erwähnt, je nach Hersteller und Modell, unterschiedlich schwierig zu finden. Zwei persönliche Erfahrungswerte: Bei einem Jaguar X300/X308 wird man lange und intensiv suchen müssen und nur mit viel Ausdauer ein halbwegs rostfreies Fahrzeug finden, zumindest was Autos mit deutscher Historie angeht. (In Südeuropa mag das anders aussehen.). Bei Mercedes und BMW der späten 80er Jahre hat man oft mehr Glück. Bei dem SL der Baureihe R129 hört man in der Szene nur selten von ernstzunehmenden Rostproblemen. Erfreulicherweise sieht auch mein R129 von unten noch sehr unversehrt aus.

Blick unter meinen 1992er Mercedes 300 SL-24 (Laufleistung rund 52.000 km), aufgenommen im Jahr 2024 und mithin in einem Fahrzeugalter von 32 Jahren: Hier habe ich bis heute noch keinen Rost finden können.

Etwas jünger, aber vergleichbar rostfrei sieht es unter meinem 2006er BMW 320 Ci Cabriolet der Baureihe E46 aus. Auch zu diesem Fahrzeug muss man allerdings sagen, dass es zeitlebens ein Schönwetterauto war, das zum Zeitpunkt der Aufnahme nur rund 25.000 km gelaufen hat.

Blick unter meinen 2006er BMW 320 Ci (Laufleistung hier zugegebenermaßen nur rund 25.000 km), ebenfalls optisch rostfrei

Bei älteren Jaguar, Peugeot oder Fiat aus Deutschland wird man deutlich länger nach einem rostfreien Unterboden suchen müssen, aber die Suche lohnt sich aus meiner Sicht.

Herausforderung Rostentfernung ⚒️

Wer einen bestimmten Youngtimer unbedingt haben möchte, wird schnell auf folgendes Gedankenspiel kommen: Im Grunde könnte ich doch diesen partiell von Rost befallenen Youngtimer kaufen und den Rost entfernen (lassen) – oder?

Ja, im Grunde ist das so – allerdings ist es vorteilhaft, wenn man sich bei diesem Gedankenspiel ein paar relevanter Fakten bewusst ist. Deshalb möchte ich zu guter Letzt noch ein paar Erfahrungswerte zur Rostentfernung teilen, auch wenn das mal einen gesonderten Beitrag wert wäre.

⚠️ Trockeneisstrahlen ist keine Methode zur Rostentfernung, lediglich eine Reinigungsmethode. Mit dem Trockeneisstrahlen wird der Unterbodenschutz abgetragen, so dass der Zustand der Bleche sichtbar ist. Mit Trockeneisstrahlen lässt sich auch der Rost (bzw. das Eisenoxid) nicht aus den Blechen entfernen, wenn der Rostvorgang einmal begonnen hat. Es ist deshalb nicht sinnvoll, an einem rostigen Youngtimer nach dem Trockeneisstrahlen eine Schutzschicht aufzutragen – so einfach ist es nicht. Wenn man die Rostentfernung richtig angeht, müssen rostige Stellen intensiv sandgestrahlt werden, dann kommen die nächsten Wahrheiten ans Tageslicht.

⚠️ Eine echte Rostentfernung kann bei einem Youngtimer mit einer Vielzahl an Rostherden ein sehr aufwändiges Projekt werden. Oberflächenrost lässt sich vergleichsweise einfach abtragen, wenn man denn alle Stellen sieht und angeht. Falz- und Kantenrost ist hartnäckig und kommt oft zurück, wenn er nicht tiefgehend behandelt wird. Für eine dauerhafte Rostentfernung ist es notwendig, die betroffenen Bauteile zu zerlegen, den Rost vollständig aus dem Material zu entfernen (das ist idealerweise eine Kombination aus einem abrasiven Verfahren wie Sandstrahlen mit einer chemischen Behandlung bspw. mit Phosphorsäure, um das Eisenoxid im Blech umzuwandeln), und dann sauber zu grundieren. Bei einer Durchrostung hilft nur eine fachgerechte Reparatur durch Ausschneiden und Einschweißen. Spachtel oder Glasfaser sind keine Lösungen!!

⚠️ Auch nach einer intensiven Rostentfernung bleibt das Risiko, dass das zuvor gebildete Eisenoxid an versteckten Stellen nicht vollständig entfernt wurde und der Rost im Laufe der Jahre unter der Grundierung zurückkehrt. Gerade nach einer aufwändigen Rostbeseitigung ist deshalb eine regelmäßige Kontrolle beim Spezialisten entscheidend. Wer behauptet, einen vom Rost befallenen Youngtimer dauerhaft garantiert vom Rost befreien zu können, ist schlicht unseriös.  

⚠️ Eine intensive Rostentfernung ist ein aufwändiger, komplexer Prozess, für den man viel Erfahrung braucht. Dazu gehört vor allem auch eine konsequente Vorsorge nach der Entfernung, mit hochwertigen Grundierungen und einer Hohlraumversiegelung mit Wachs oder Fett. Ich halte es deshalb für absolut sinnvoll, eine solche tiefgreifende Rostbehandlung und Rostvorsorge bei einem echten Spezialisten machen zu lassen, der darin viel Erfahrung hat. Die reguläre Kfz-Werkstatt, die nebenbei Trockeneisstrahlen plus Unterbodenschutz anbietet, macht auf lange Sicht unter Umständen mehr kaputt als sie hilft.

Ich finde, dieses Video der Firma Rostschutz-NRW in Krefeld von der Rostentfernung bei einem Mercedes 190D verdeutlicht den Aufwand ganz gut. 

YouTube-Video der Firma Rostschutz-NRW in Krefeld zur Rostentfernung bei einem Mercedes 190 D

💸 Die Aufwände für einen solchen Prozess sind je nach Fahrzeug, Rostbefall und Technologie sehr unterschiedlich. Mit so einer umfassenden Behandlung wie hier im Video kommt natürlich ein gutes Stück in den fünfstelligen Eurobereich hinein. Ich nenne hier dennoch einmal ganz grobe Größenordnungen von Kosten, wie ich sie in den vergangenen Jahren immer wieder mal erlebt oder berichtet bekommen habe.

  • Für einen professionelle Trockeneisbehandlung sind schnell 1.000 Euro fällig, je nach Aufwand auch mehr.
  • Für das Ausschneiden und Einschweissen von neuen Blechen sind schnell je Stelle 2-3.000 Euro fällig, auch das kann bei komplexen Operationen mehr werden (wenn zum Beispiel der Innenraum teilweise ausgebaut werden muss). 
  • Eine professionelle Rostentfernung plus einer flächigen Rostschutzbehandlung kostet bei einem Youngtimer, dessen Roststellen über die Karosserie verteilt ist, schnell 15.000 Euro und mehr. (Damit ist mitnichten eine Komplettrestauration gemeint!) Alleine für den Austausch von Achsteilen gehen dabei oft schon mehrere Tausend Euro drauf. 

Fazit: Rost ist kein Todesurteil für einen Youngtimer, erfordert aber einen realistischen Blick.

✅ Meine „Rost-Checkliste“ für den Youngtimer-Kauf

Ich fasse nochmal stichpunktartig zusammen, wie ich im Hinblick auf Rost vorgehe:

1. Vor der Besichtigung klären 🕰️

  • Aktiv hinterfragen, was der Verkäufer zum Rostbefall und zur Rosthistorie sagen kann  
  • Um brauchbare, aktuelle Bilder vom Unterboden bitten
  • Vor der Besichtigung klären, ob eine Hebebühne oder Grube verfügbar ist, um das Auto von unten zu sehen

2. Besichtigung vorbereiten (mitnehmen) ✅

  • Helle Taschenlampe
  • Lackschichtdicken-Messgerät 
  • Kleiner Spiegel (für schwer einsehbare Situationen unter dem Fahrzeug)
  • Ggf. dünne Handschuhe
  • Ggf. altes Tuch / Knieschutz

3. Kritische Stellen vor Ort gezielt abarbeiten 🚗

  • Radhäuser und Innenkanten aller vier Radläufe prüfen (innen & außen, auch unter der Kante fühlen)
  • Schweller und Einstiegsleisten der Türen prüfen
  • Untere Türkanten aller vier Türen prüfen
  • Kofferraumdeckel unten prüfen 
  • Bereich des Tankdeckels prüfen 
  • Motorhaubenkanten prüfen
  • Wie sieht es unter den Dichtungen aus? Türdichtungen unten, Heckscheibendichtung unten, Dichtungen im Motorraum vorsichtig anheben und unterleuchten
  • Grundsätzlich kritisch prüfen: Scheibenrahmen (Front- & Heckscheibe)
  • Teppiche im Fußraum und Kofferraum anheben und auf Rost oder Feuchtigkeit prüfen
  • Wagenheberaufnahmen prüfen 
  • Generelle Sichtprüfung der Übergange Stoßstange ↔ Karosserie, dabei seitliches Licht verwenden, um Wellen und Spachtel zu erkennen

4. Unterboden besonders prüfen 🔽

Mit Taschenlampe in alle Falze, Dome und Aufnahmen leuchten

Kritische Bereiche:

  • Generell: Stellen, an denen sich verschiedene Bleche und Karosserieteile mit Schweissnähten/ -punkten treffen
  • Schweller-Unterseiten innen entlang der Karosserie
  • Wagenheberaufnahmen
  • Achsaufnahmen, Längsträger, Querträger, Radhäuser 
  • Federbeindome 
  • Auspuffhalterungen 
  • Bodenbleche

Warnzeichen:

  • Nachträglicher Unterbodenschutz kann Rost verdecken
  • Abblätternder Unterbodenschutz
  • Schweißnähte, die nicht original wirken 
  • Weiche Stellen beim Klopfen oder „aufgehende“ Stellen 
  • Struktureller Rost an tragenden Teilen = sehr teuer 

5. Klopfen, fühlen & messen 📐

  • Messung der Lackschichtdicke – insbesondere, um gespachtelte Stellen oder Glasfaser zu finden 
  • Dumpfe, weiche Stellen = verdächtig
  • Aufgequollener Unterbodenschutz = oft Rost darunter

6. Auch den Innenraum sorgfältig betrachten 🧳

  • Teppiche anheben und (je nach Modell) Blick auf die Bodenbleche werfen
  • Warnsignale: Feuchte Matten, muffiger Geruch, Feuchtigkeit in der Reserveradmulde
  • Teppiche im Fußraum anheben (vor allem Fahrer- und Beifahrerseite)
  • Reserveradmulde im Kofferraum prüfen
  • Unter Rückbank schauen, wenn möglich
  • Feuchtigkeit oder muffiger Geruch?
  • Feuchte Stellen = oft Rost von unten oder undichte Scheiben.

7. Hinweise während der Probefahrt 🏎️

  • Poltern, schwammiges Fahrgefühl
  • Unruhige Bremsen

8. Dokumente prüfen 🔖

  • Frühere HU-Berichte auf Hinweise zu „Korrosion“ durchsehen, falls vorhanden
  • Fotos/ Belege für frühere Reparaturen durchsehen, falls vorhanden

Damit wünsche ich Euch viel Erfolg beim nächsten Youngtimer-Kauf! 😉 Solltet Ihr Ergänzungen haben, Anregungen oder gerne auch Fallbeispiele, freue ich mich über Kommentare unter dem Beitrag oder eine Email (michael@mein-youngtimer.com)!

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