
Wer meinen Blog schon lĂ€nger verfolgt, weiĂ ich ein Fan des Mercedes R129 bin. FĂŒr mich ist er einer der attraktivsten Youngtimer auf dem Markt und auf dem besten Weg zum echten Klassiker. Das gilt besonders fĂŒr die vergleichsweise seltenen, hochwertigen Sondermodelle; unter diesen wiederum hat die Final Edition des R129 einen besonderen Stellenwert. In seinem Gastbeitrag berichtet Hanno Kallmeyer dankenswerterweise ĂŒber seine Erfahrungen mit seinem R129 Final Edition. Er hat auch eine sehr informative Webseite ĂŒber die Final Edition ins Leben gerufen, auf die wir am Ende von Hannos Beitrag verlinken.
Damit gebe ich das Wort gerne weiter an Hanno!

Der SL der Baureihe R129 galt zu seiner Zeit aufgrund seiner technischen Reife und des ikonischen Designs als perfektes Sportcabriolet. Zum Ende seines Modellzyklus wollte Mercedes-Benz dieses VermĂ€chtnis mit einer einzigartigen Final Edition krönen, indem sie âdie klassischen Werte dieses faszinierenden Roadsters in auĂergewöhnlicher Weise unterstrichenâ. Was heutzutage aus KostengrĂŒnden kaum vorstellbar wĂ€re, wurde fĂŒr das damalige Markenflaggschiff SL kurzerhand beschlossen: Die Final Edition sollte nicht nur die edelsten und besten Teile des Ă€uĂerst umfangreichen Mercedes Individualisierungsbaukastens erhalten, sondern mit eigens entwickelten, exklusiven Features gekrönt werden, die einem letzten, echten Mercedes unter den Roadstern gebĂŒhren.

Bevor wir die Besonderheiten der Final Edition beleuchten sei kurz erklĂ€rt, warum ich ĂŒberhaupt ĂŒber dieses Fahrzeug berichte und wie ich nach einer lĂ€ngeren Reise meine eigene Final Edition fand. Vor rund 10 Jahren wollte ich einen schicken, sportlichen Klassiker kaufen, der als Cabriolet im Sommer SpaĂ macht und im Winter eine zuverlĂ€ssige Bank bildet. Das Auto sollte ausgereift genug sein, um ĂŒber eine beruhigende Sicherheitsausstattung zu verfĂŒgen (Dreipunktgurte, ABS und Airbags, wenn möglich ESP) und den Kindern auf einer RĂŒckbank Platz bieten. So landete ich bei den Autos der spĂ€ten 90er Jahre. Anfangs hielt ich den SL noch fĂŒr einen reinen 2-Sitzer, daher habe ich es erfolglos mit einer Reihe von Modellen anderer Hersteller versucht, bis ich schlieĂlich im Netz ĂŒber einen 4-sitzigen R129 stolperte.
Die VorzĂŒge dieser Autos sind den meisten Lesern von mein-youngtimer.com vermutlich bekannt, daher werde ich die allgemeinen Eigenschaften hier nicht wiederholen. Nur so viel: Der Mercedes R129 genoss ein hervorragendes Renommee und ich mochte seinen Stil sehr, so habe ich mich eingelesen, SL auf SL angeschaut und bin nahezu alle Generationen und Motoren auch gefahren. Der Funke allerdings mochte bei mir nicht so recht ĂŒberspringen. Dies war teils dem miserablen Zustand der Fahrzeuge geschuldet (bei 200.000 R129 gibt es einfach viele vernachlĂ€ssigte Exemplare), letztlich hatten aber auch die vielen gelesenen Berichte eine solche Premiumerwartung bei mir geschĂŒrt, dass die Autos dieser kaum gerecht werden konnten.

So habe ich mir – etwas ernĂŒchtert – eines Tages einfach den teuersten SL herausgesucht, der in mein Beuteschema passte und in einer Umgebung von 150km zu finden war – es musste doch noch etwas schöneres geben! Vor Ort stellte sich heraus, dass es sich um eine Final Edition handelte. SL-Sondermodelle hatte ich bei meinen Recherchen zwar schon grundsĂ€tzlich wahrgenommen, aber aufgrund der hĂ€ufig gewagten (90er-Jahre-typischen) Farbkombinationen praktisch ausgeschlossen. Und dann also das.
Als die Tore der Garage geöffnet wurden erblickte ich ein Auto, das ganz anders aussah. Diese satte Fahrzeugform mit dem metallisch glĂ€nzenden, schwarzen Lack, den sportlichen und breiten Sterling silbernen 18â RĂ€dern, die muskulös wirkende Heckpartie, wie ein vor dem Sprung kauernder Panther. Und beim Reinsetzen wurde es noch unglaublicher. Ein absolut luxuriöser Innenraum mit frischem, prunkvollen Holz, klassischen Chromanzeigen und einer wundervoll gediegenen, aufwendig gearbeiteten Volllederlandschaft – das hat mich schlicht umgehauen.
FĂŒr meine Preisverhandlung war DAS jetzt natĂŒrlich gar nicht förderlich, denn DEN musste ich einfach haben. Aber das Grinsen bei dem Auto kriege ich auch heute noch nicht aus dem Gesicht – und das ist es, was fĂŒr mich tĂ€glich zĂ€hlt, der Preis ist da schon lĂ€ngst vergessen.

Wie kann ich die Besonderheiten einer Mercedes-Benz R129 Final Edition erklĂ€ren? NatĂŒrlich mĂŒsste ich alles bis ins Detail beschreiben, aber letztlich muss man sie – wie bei der Matrix – einmal selbst erleben, denn man kann die Einzelteile einer Final Edition zwar benennen, das Zusammenspiel und die Wirkung sind aber kaum schriftlich vermittelbar. Ich versuche natĂŒrlich trotzdem, hier einen ersten Ăberblick zu geben:
ZunĂ€chst einmal verdankt die Final Edition ihren groĂen Auftritt zwei Sonderlacken: Mercedes setzte ganz traditionell auf die Klassiker Schwarz und Silber, allerdings in einer besonders veredelten Form mit den Bezeichnungen Brillantschwarz Metallic und Silver Arrow.
Beide Farben sind im Vergleich zu den Standardschwarz- und -silbertönen des R129 hochglÀnzend. Eine brillantschwarze Final Edition wirkt tief schwarz, durch feine Metallic- und Effektpigmente ergibt sich bei direkter Lichteinstrahlung ein brillantes, violettes Schimmern anstelle eines schlichten Unischwarzes. In Silver Arrow hingegen wirkt die Final Edition besonders hell und erinnert damit an historische Rennwagen von Mercedes.
Beide Lacke dĂŒrften sehr robust zu sein, denn die Autos leuchten auch nach all den Jahren noch spektakulĂ€r.

Die Final Edition sollte auch die Sportlichkeit eines SL betonen. So wĂ€hlte Mercedes den Rennsportpartner AMG, um deren stattliche âStyling 1â Felge zu montieren. Diese Felge war mit ihren 18â und einer hinteren Reifenbreite von 275mm ungewöhnlich groĂ (Anfangs betrug die ReifengröĂe des R129 nur 225mm bei 16â Felgen), zudem musste der AMG Felgenstern tief im Inneren des Radhauses unterkommen.
Dies gibt der Final Edition ihr auffallend bulliges Aussehen, welches durch zusÀtzliche Verbreiterungen in Form lackierter Leisten an den Hinterkanten der eigens gebördelten RadkÀsten noch verstÀrkt wird.
Das sehr ausgewogen konfigurierte Fahrwerk blieb – wie z.B. auch bei AMG-Styling-Paketen – erhalten, die 18â RĂ€der bewirken aber dank ihrer geringeren Walkbewegung eine direktere Lenkung, die gröĂere AuflageflĂ€che bietet zudem mehr Kurvenhalt. Dies geht allerdings mit einem leicht hĂ€rteren Abrollen einher.
Wenn alles richtig eingestellt ist und der Luftdruck stimmt, fÀhrt sich die Final Edition wie ein modernes Auto!

Wenn man direkt einmal in das Innere des Fahrzeugs schaut, fĂ€llt als Erstes das Echtholz der Final Edition ins Auge, es nennt sich Curly Ahorn Natur und bildet einen hellen Kontrast zum dunkleren Ambiente des Armaturenbretts. Das spezielle Holz der Final Edition wurde im Gegensatz zur Serie nicht nur am vorderen Teil der Mittelkonsole und den TĂŒren angebracht, es ersetzt viel mehr die Kunststoffteile am gesamten Mittelstrang des Fahrzeugs, d.h. es umfasst auch die DomverlĂ€ngerung, den Bereich unter der Armauflage, das Rollo ĂŒber dem Ablage- und CD-Fach sowie die Schaltkulisse und natĂŒrlich das schon von der zweiten Modellpflege bekannte Holzlenkrad sowie den WĂ€hlhebel.
Die Ăppigkeit dieses erlesenen Holzes macht einen groĂen Teil der Luxusanmutung der Final Edition aus.

Curly Ahorn harmoniert dabei im Ăbrigen sehr gut mit dem meines Erachtens gröĂten Highlight des Final Edition Innenraums, der kunstvoll handgearbeiteten Volllederausstattung.
Hier wurde ein Nappaleder gewĂ€hlt, welches an den Sitzen und KopfstĂŒtzen eine angenehme – da atmungsaktive – Nadelstichperforation besitzt. Alle Lederelemente sind mit zusĂ€tzlichen, grauen bzw. im Sichtbereich schwarz abgesetzten ZiernĂ€hten geschmĂŒckt. Auch was den restlichen Innenraum angeht, lĂ€sst die Final Edition keine WĂŒnsche offen, denn es wurde einfach alles beledert.
Das ist in sofern eine Besonderheit, da die regulĂ€re Lederausstattung eines R129 (nicht Leder Exklusiv) leider nur die Sitze und eine kleine FlĂ€che in den TĂŒren umfasste, der restliche Innenraum hingegen mit einem Bezug aus Weich-Polyvinylchlorid auskommen musste.
In der Final Edition wurde das gesamte Armaturenbrett mitsamt dem klappbaren Brillenfach und dem Bereich rund um den Beifahrerairbag, die vollstĂ€ndige TĂŒrverkleidung inklusive der seitlichen Rahmen / Armauflagen, die Sonnenblenden, der komplette Verdeckkasten, der automatisch öffnende ĂberrollbĂŒgel, die A- (und beim Hard- und Panoramatop auch die B- und C-) SĂ€ulen, der obere Griffbereich fĂŒr das Stoffdach, die verschiebbare Armablage zwischen den Sitzen und deren Basis, das Lenkrad, der WĂ€hlhebel und natĂŒrlich die (optionale) RĂŒckbank mit Nappaleder bezogen.
Das ganze sieht nicht nur umwerfend aus, sondern ist auch haptisch nach fast 30 Jahren noch immer ein Traum, denn es gibt keine aufgeweichten, klebrigen Kunststoffteile – der Passagier wird vielmehr in ein angenehm greifbares WohlgefĂŒhl eingebettet. Mir persönlich hatte auch die Optik des Vinyls der Serie schon recht gut gefallen, aber das hier brachte mich einfach zum Staunen!

Weitere Akzente mit Anspielung auf die Optik alter Sportwagen schufen die Entwickler, indem sie ausgewÀhlte und sonst schwarze Bauteile durch geschmackvolle Chromteile ersetzten.
So gab es in der Final Edition fĂŒr das Kombiinstrument eine matte und damit blendfrei gestaltete, umlaufende Chromspange, fĂŒr die Schaltkulisse eine verchromte Rahmenabdeckung, fĂŒr den Sockel des Automatik- / Schalthebels eine kleine verchromte Einlage und ein ganz besonderes, exklusives Windschott mit einem verchromten und hochglanzpolierten Aluminiumprofilrahmen.
Weiterhin wurde das bereits aus dem Mopf 2 bekannte, modernisierte Kombiinstrument mit seinen Chromringen um jedes einzelne Rundinstrument eigens fĂŒr die Final Edition mit weiĂen statt orangefarbenen Zeigern und noch hochwertigeren Aluminiumabdeckungen fĂŒr die Zeiger versehen.
Die Final Edition erhielt darĂŒber hinaus weitere Kennzeichen, beispielsweise erzeugte man auf den geschliffenen und polierten Edelstahlschwellern beim Ăffnen der TĂŒren mittels Elektrolumineszenz-Technologie

Und zu guter Letzt auch sehr wichtig: Man versah die Final Edition von vornherein mit einer reichhaltigen – dem Premiummodell SL endlich angemessenen – technischen Basis: Alle Fahrzeuge bekamen das (auch heute noch gut funktionsfĂ€hige) Navigationssystem APS 30, die sehr fortschrittliche Xenonbeleuchtung mit Reinigungsfunktion, selbstverstĂ€ndlich eine Klimatisierungsautomatik, einen Regensensor, einen elektrisch verstellbaren Fahrer- und Beifahrersitz (mit 3-facher Memoryfunktion) und natĂŒrlich eine Sitzheizung fĂŒr den Fahrer und den Beifahrer.
Letztendlich hat Mercedes gegenĂŒber der Basis eine so groĂe Summe an hochwertigen Ausstattungen in die Final Edition gesteckt, dass sie auch finanziell ganz oben positioniert werden musste. Mit Kaufpreisen zwischen stolzen 142.564 DM als SL 280 und 235.364 DM fĂŒr die Version als SL 600 war sie eines der teuersten Fahrzeuge ihrer Zeit. Selbst ein Porsche 993 kostete zur Mitte der 90er Jahre ânurâ 125.760 DM.
Dies trĂ€gt vermutlich dazu bei, dass Final Editions auch heute noch sehr hoch gehandelt werden, die Preise liegen bei Fahrzeugen mit höheren KilometerstĂ€nden meist rund 10.000 Euro ĂŒber denen regulĂ€rer R129, in der Spitze liegen Final Editions mittlerweile im sechsstelligen Bereich.
Der Markt ist leider auch eng, denn man geht davon aus, dass nur noch etwa die HĂ€lfte der aufgelegten 674 Fahrzeuge existieren.
Nach all meiner hier vermutlich erkennbaren Begeisterung fragte ich mich nur, warum ich denn vorher nie von dieser Final Edition gehört hatte. Irgendwie schien dieser SL im GetĂŒmmel der in der R129 Community etwas despektierlich diskutierten Sondermodelle untergegangen zu sein, traurig.
Auch im Netz und in Zeitschriften fand ich bestenfalls Elementarinformationen zur Final Edition, das wollte ich Àndern.
Aus vielen GesprĂ€chen mit anderen Besitzern und ehemaligen und aktiven Mitarbeitern von Mercedes konnte ich meine Erkenntnisse erweitern und mittels einer Webseite verfĂŒgbar machen. Unser gemeinsames Hobby macht so viel SpaĂ, dass unser Kreis immer gröĂer wird und wir mittlerweile eine gute Ăbersicht zu den noch existierenden Fahrzeugen zusammentragen konnten. AuĂerdem treffen wir uns regelmĂ€Ăig in der Gruppe zu Ausfahrten und einem gut gelaunten Austausch.
Letztendlich hatte ich ein wenig GlĂŒck, dieses besondere Auto zu finden, jetzt freue ich mich immer wieder neues ĂŒber unsere SchĂ€tzchen zu erfahren und Zeit mit den anderen netten Besitzer zu verbringen!

Wenn ihr mehr ĂŒber die Final Edition erfahren möchtet, seid Ihr herzlich auf unserer Webseite r129finaledition.de willkommen. Oder schreibt mir einfach eine Email unter info@r129finaledition.de.
Hanno Kallmeyer
Lieber Hanno, herzlichen Dank fĂŒr diesen informativen und begeisternden Beitrag ĂŒber die Final Edition des R129. Der Funke der Begeisterung springt beim Lesen ohne Frage ĂŒber und ich bin sicher, dass nicht wenige Leser Deines Beitrags direkt mal auf den gĂ€ngigen Online-Börsen nach einer Final Edition recherchieren. đ
Weiterhin viel Spaà mit Deinem wunderschönen R129!

