
Diese Geschichte beginnt bereits vor rund einem Jahr. Immer wieder wunderte sich mein Freund Henning darüber, dass im Innenraum seines (bestens gepflegten) BMW 750i aus dem Jahr 1989 gelegentlich ein säuerlicher, ammoniakartiger Geruch festzustellen war. Aufmerksame Leser kennen diesen 750i übrigens bereits aus diesem Gastbeitrag auf meiner Seite.

Im Sommer kam das Problem hinzu, dass die Klimaautomatik des E32 nicht wie gewünscht funktionierte. Nach kurzer Beratung mit einer Werkstatt wurde das Kältemittel nachgefüllt und die Klimaautomatik kühlte wieder – für rund drei Wochen. Damit war der Blickwinkel auf eine Undichtigkeit im Kältekreislauf gerichtet, was auch den ammoniakartigen Geruch erklären würde.
Es erwies sich aber als nicht trivial, den Ort der Undichtigkeit einzugrenzen. Die entscheidende Erkenntnis brachte ein hinzugezogener Fachmann für Klimaanlagen, der Dichtigkeitsprüfungen mit Stickstoff durchführt.
Für diese Dichtigkeitsprüfung wurde die Klimaanlage zunächst vollständig entleert und anschließend mit trockenem Stickstoff unter definiertem Prüfdruck befüllt. Stickstoff ist ideal, weil er keine Feuchtigkeit enthält und selbst kleinste Undichtigkeiten sicher offenlegt. Hält die Anlage den Druck über einen bestimmten Zeitraum konstant, gilt das System als dicht – fällt der Druck ab, was hier der Fall war, gibt es ein Leck.
Dieses ließ sich dann mit einem Lecksuchgerät (dem „Schnüffler“ im Werkstattjargon) aufspüren. Der Stickstoff diffundiert durch kleinste Öffnungen und lässt sich durch lokale Erhöhungen der Konzentration mit solch einem speziellen Gerät sehr präzise nachweisen.

Mit derartiger Detektivarbeit wurde das Leck mitten im Verdampfer lokalisiert. Der Verdampfer der Klimaautomatik im BMW E32 sitzt nun leider gut versteckt mittig im Innenraum, tief im Heizungs- und Klimakasten hinter dem Armaturenbrett, direkt im Luftstrom zwischen Gebläse und Luftkanälen. Bei ausgebautem Handschuhfach kann man seine Anschlüsse sehen.

Die Herausforderung beim Ausbau des Verdampfers ist weniger die ziemlich fummelige Zugänglichkeit durch den Innenraum hinter dem Armaturenbrett.
Vor dem Ausbau müssen nämlich auch die oben liegenden Anschlüsse gelöst werden, die nur vom Motorraum aus zugänglich sind. Am BMW E32 führen zwei Kältemittelleitungen durch die Spritzwand zum Verdampfer, und genau diese müssen im Motorraum von oben gelöst werden.

Nun füllt der V12 den Motorraum sehr voll aus, und rund um die rechte Spritzwand ist es deutlich enger als bei den Sechs- und Achtzylindern. Um an die Anschlüsse heranzukommen, müssen leider einige Anbauteile und Abdeckungen wie Luftfilterkasten der rechten Zylinderbank, Motorabdeckung und Kabelführungen entfernt werden. Ein nicht unerheblicher Aufwand….
Im Kühlmittel des BMW war übrigens Kontrastmittel enthalten, was als Beimischung nicht unüblich ist. So werden kleine Undichtigkeiten mit der UV-Lampe unmittelbar sichtbar. Hier war aber schon so viel ausgetreten, dass das Kontrastmittel praktisch überall zu sehen ist.
Interessant wurde es dann ein weiteres Mal, als der ausgebaute Verdampfer vor uns auf der Werkbank lag.

Auf dem Verdampfer war eine größere Menge an biologischem Material festzustellen, das im Laufe der Jahre aus Blättern, Pollen, Schimmel und Insektenreste entstanden sein dürfte.
Beim BMW E32 ist das nicht untypisch. Der Verdampfer liegt immer feucht, sobald die Klima läuft. Über 30 Jahre bildet sich zuerst Staub, dann Biofilm, dann wachsen Schimmel und Algen.
Das Ergebnis?
✔️ Der Verdampfer war nicht mehr voll durchströmbar.
✔️ Die Kühlleistung verschlechtert sich damit.
✔️ Es entsteht ein typischer Moder-/Klimaanlagengeruch.
✔️ Der Kompressor muss stärker arbeiten.
✔️ Kondenswasser bleibt länger stehen → noch mehr Biofilm.
Kurzum: Es war auch aus dieser Perspektive Zeit für einen neuen Verdampfer!

Mit dem nun verbauten, nagelneuen Verdampfer im BMW 750i ist sowohl das Dichtigkeitsproblem gelöst als auch der modrige Geruch gebannt. Es war alles in allem eine aufwände Prozedur, aber die „Operation Verdampfer“ hat sich gelohnt!

Nach einer weiteren, nun erfolgreichen Stickstoff-Dichtigkeitsprüfung wird der Stickstoff vollständig abgelassen und die Anlage in ein tiefes Vakuum gezogen, um Restgas und Feuchtigkeit zu entfernen. Anschließend wird das System über die Servicestutzen mit der vorgegebenen Menge Kältemittel befüllt, bis die Sollwerte erreicht sind.

Die Lokalisierung des Lecks und der Austausch des Verdampfers waren eine gewisse Herausforderung, die der Youngtimer-Spezialist Automobiltechnik Hartsen in Viersen dankenswerterweise auf sich genommen hat. Das fertige Ergebnis zeigt, dass sich die Geduld und Sorgfalt mal wieder sehr gelohnt haben. 👍
Ich freue mich über Eure Erfahrungen, Tipps oder Fragen in den Kommentaren!


