
Diese Frage hat mich schon in den 90er Jahren beschäftigt: Welche Motorisierung hat der Mercedes, der da gerade vor mir steht (wenn nichts am Heckdeckel steht)? Stimmt der prestigeträchtige Schriftzug wie 600 SEL etc. mit den Tatsachen übersein (wenn etwas am Heckdeckel steht)? Ich fand es spannend, welche versteckten Merkmale Mercedes verbaut hat, aus denen sich der jeweilige Typ ableiten lässt.
Schauen wir uns mal am Beispiel der legendären Mercedes S-Klasse W140 doch mal genauer an, woran man die Motorvarianten auf einen Blick erkennen konnte.
Woran erkennt man den Zwölfzylinder?
Das augenfälligste Merkmal des V12 kam nach der ersten Modellpflege im Jahr 1994: Mit ihr bekam der S600 den Kühlergrill, bei dem alle Lamellen verchromt waren. Damit fiel das Topmodell direkt ins Auge. Allerdings wurde dieses Merkmal auch häufig bei anderen Motorisierungen nachgerüstet, was vergleichsweise einfach möglich war – meiner Erfahrung nach kann man sich deshalb auf dieses Erkennungsmerkmal nicht wirklich verlassen. 🤔

Deutlich verlässlicher ist die Aussagekraft der in Wurzelnussholz eingefassten Kulisse des Automatik-Wählhebels. Wenn ein Mercedes damit ausgestattet wurde, handelte es sich immer um einen V12.

Übrigens galt dieses Erkennungsmerkmal nicht nur beim W140, sondern auch beim SL R129, jeweils über alle Stufen der Modellpflege.

Es gibt noch ein weiteres, für Kenner gut sichtbares Erkennungsmerkmal des V12: Nur bei ihm waren die Aschenbecher in den beiden Fondtüren in Wurzelnuss ausgeführt. Das gilt für alle Generation des 600ers, vom „Vor-Mopf“ (=erste Serie vor der Modellpflege) bis zum Mopf 2 (=zweite Modellpflege im Jahr 1996).

Bei allen anderen Motorisierungen mussten sich die Fondpassagiere hingegen damit zufrieden geben, dass die beiden Aschenbecher nur mit Stoff bespannt waren. 🥹

Und dann gibt es noch ein dezentes, aber einfach erkennbares Erkennungsmerkmal des Zwölfzylinders. Nur bei ihm gibt es die Wurzelnussholz-Dekostreifen an der Innenseite der beiden B-Säulen. Wenn eine Limousine diesen Dekostreifen trägt, ist es ein 600er.

Mit dem Aschenbecher und den Dekostreifen in Wurzelnuss trägt die V12-Limousine des W140 also recht eindeutige Erkennungsmerkmale.
Schade ist so gesehen lediglich, dass diese beiden Merkmale im W140-Coupé nicht weiterhelfen (da sie dort nicht existieren). Im Coupé bleibt also nur der Blick auf die Kulisse des Wählhebels…

Wer tiefer in die Details einsteigt, findet im Inneren eines 600er noch weitere Besonderheiten. Die A- und die B-Säulen waren nur bei ihm mit dem gleichen Stoff wie der Dachhimmel bezogen. Gleiches gilt auch für die Verkleidung unter den Sonnenblenden (die beim 600 übrigens aus Leder waren). Bei den anderen Motorisierungen waren diese Verkleidungen aus Kunststoff (mit Ausnahme von Leder Exklusiv beim Mopf 2).
Woran erkennt man den Achtzylinder?
Während sich die V12-Modelle also anhand verschiedener Wurzelnusssholz-Applikationen erkennen lassen, muss man Bein V8 etwas genauer hinsehen. Vorab sei angemerkt: Die Modelle 400 SE/L und 500 SE/L lassen sich optisch von außen nicht unterscheiden.
Dennoch lassen sich V8-Modell zumindest bis 1996 – also bis zur zweiten Modellpflege – gut erkennen: Wenn die Wählhebelkulisse nicht mit Wurzelnuss verkleidet ist, und dennoch die B-Stufe („Berg“) für den ersten Gang existiert, handelt es sich um einen Achtzylinder. Die B-Stufe kam in den Sechszylinder-Modellen grundsätzlich nicht zum Einsatz.

Mit der 5-Gangautomatik nach der zweiten Modellpflege (Mopf 2) funktioniert das leider nicht mehr, da die B-Stufe da entfallen ist. Die nachfolgende 5-Gang-Automatik-Kulisse stammt aus einem Mopf2-W140 mit V8 (einem 1996er CL420), wurde aber baugleich in Mopf 2-Sechszylinder-Modellen eingesetzt (wie wir weiter unten sehen werden).

Ein anderes Erkennungsmerkmal eines W140 ist sein Drehzahlmesser: Beginnt der rote Bereich bei 6.000/min, kann es nur ein Zwölf- oder ein Achtzylinder sein. (Dazu, wie der rote Bereich bei den Sechszylindern liegt, kommen wir gleich.)

Für die sichere Erkennung eines V8 kann man im W140 also folgendes sagen: Ist die Kulisse des Automatik-Wählhebels nicht mit Wurzelholz verkleidet und beginnt der rote Bereich des Drehzahlmessers bei 6.000/min, dann handelt es sich zwangsläufig um einen Achtzylinder. So einfach ist das. 😊
Woran erkennt man den Sechszylinder-Benziner?
Wenn wir über die Erkennung eines Sechszylinders sprechen, bleiben wir am besten beim roten Bereich des Drehzahlmessers. Der beginnt beim Sechszylinder-Benziner grundsätzlich entweder bei 6.400/min (S280, 300 SE 2.8 und S320) oder gar erst bei 6.600/min (im 300 SE/L). Kurzum: Ein Sechszylinder-Benziner lässt sich unmittelbar daran erkennen, dass der rote Bereich im Drehzahlmesser erst ein Stück oberhalb von 6.000/min beginnt!

Beim 300 SE/L ist am Drehzahlmesser noch ein weiteres Detail zu erkennen: Geht der Drehzahlmesser insgesamt bis 8.000/min, handelt es sich noch um den Sechszylinder M104 mit Zündverteiler. Geht der Drehzahlmesser „nur“ bis 7.000/min, dann ist es der modifizierte M104 mit ruhender Zündung.

Ähnlich wie beim V8 offenbart auch die Kulisse der Automatik den Sechszylinder, wenn es sich um die erste Generation (bis Mopf 2 verbaut) handelt. Wenn eine solche Automatik keine B-Stufe hat, ist es ein Sechszylinder (Benziner oder Diesel) – auch das ist einfach. Das folgende Bild stellt diesen Fall in einem 1992er 300 SE dar.

Wie bereits im Absatz zum V8 erwähnt, verschwindet die B-Stufe und damit dieses Erkennungsmerkmal mit der neuen Automatik im Mopf2 ab 1996. Die Kulisse von Sechs- und Achtzylinder ist dann nicht mehr zu unterscheiden, wie zum Beispiel das nachfolgende Bild auf einem Mercedes S280 zeigt.

Einen vergleichsweise seltenen Fall gibt es noch: Wenn ein W140 ein manuelles Schaltgetriebe hat, kann es ebenfalls nur ein Sechszylinder-Benziner sein! ⚙️
Woran erkennt man den Sechszylinder-Turbodiesel?
Im W140 gab es natürlich auch noch den Sechszylinder-Turbodiesel, zunächst im 300 SD und S350D, später dann im S300 Turbodiesel. Diese beiden Varianten lassen sich am Tacho und am Drehzahlmesser direkt erkennen. Nur beim Diesel endet der Tacho schon bei 220 km/h und beginnt der rote Bereich schon vor 5.000/min.

Im Grunde ist es also ganz einfach, die Motorisierung eines W140 auf einen Blick zu erkennen! Wie immer freue ich mich über Eure Kommentare und Feedbacks in den Kommentaren unter dem Beitrag. 😊


