
Das Wetter zeigt sich in den ersten Wochen des Jahres 2026 kalt, nass und vielerorts verschneit – ein echter Winter in Deutschland. Unsere Liebhaberfahrzeuge verbringen viel Zeit in der Garage und warten auf den Frühling. Das ist eine gute Gelegenheit, die Zeit mit Wartungs- und Reparaturarbeiten zu verbringen, wozu natürlich auch das richtige Werkzeug gehört. Dessen richtige Aufbewahrung ist im Allgemeinen kein allzu spannendes Thema – außer man widmet sich der Restaurierung eines klassischen Werkzeugwagens 😊
Ich freue mich, dass Martin hierzu einen Erfahrungsbericht beisteuert. Seinen schönen Mercedes 300 SL der Baureihe R129 haben wir übrigens bereits vor einem Jahr in diesem Gastbeitrag auf meiner Seite kennenlernen dürfen.

Damit gebe ich das Wort gerne weiter an Martin!
Zum Youngtimerfahren zählt für mich auch die hingebungsvolle Pflege und die Durchführung von Wartungs- und Reparaturarbeiten. Bei der stilsicheren Aufbewahrung von Werkzeug und Material kommt man kaum an einem Klassiker vorbei, den es schon seit 1954 gibt und der in weitgehend originaler Form bis heute produziert wird: Der Hazet Assistent Werkzeugwagen.
Im Jahr 2000 habe ich von einer Autowerkstatt, die damals in neue Räumlichkeiten umzog, zwei dieser Wagen buchstäblich aus dem Alteisencontainer gezogen. Der bessere dient seitdem in meiner Garage als treuer Gefährte, den anderen – dilettantisch grün angepinselten – hatte ich damals zerlegt, eingelagert, vergessen und bei einer Aufräumaktion vor kurzem wieder gefunden. Da es draußen eiskalt war, die Straßen versalzen und am 300 SL nichts getan werden kann beschloss ich spontan, die Fragmente zu restaurieren.

Am Anfang stand die Bestimmung des Baujahrs. Man glaubt kaum, dass es für dieses Produkt eine Fanbase gibt, die Unterlagen bereithält. Unter anderem habe ich eine detaillierte Liste mit allen produktionstechnischen Veränderungen seit 1954 gefunden. Damit ließ sich mein Assistent als „Typ 162“ aus dem Produktionszeitraum zwischen 1955 und 1961 bestimmen. Anhand der Daten konnte ich eine Bestandsaufnahme vornehmen und feststellen, dass sich „mein“ Wagen im Originalzustand befindet und bis auf die umlaufenden Gummiprofilleisten auch komplett ist.
Erster Arbeitsschritt war es, den alten Lack zu entfernen. Dazu griff ich zu meinem Fein Multimaster. Es ist immer wieder erstaunlich, in welche Ecken man mit diesem Teil kommt. Es brauchte trotzdem etliche Stunden, um Rost zu entfernen und die Farbe ab- bzw. anzuschleifen.

Nebenbei recherchierte ich, dass mein Assistent einen silberfarbenen Deckel hatte und erst 1982 in schwarz ausgeliefert wurde, wie man das heute kennt. Als Farbton kommt RAL 5012 lichtblau in seidenmatt dem Hazet-Blau recht nahe. Da ich in meiner Kellerwerkstatt arbeite, kam eine Spritzlackierung nicht in Frage. Deshalb besorgte ich einen hochwertigen Kunstharzlack in seidenmatt, den ich sorgfältig mit einem guten Pinsel auftrug. Die Farbe verlief in der geheizten Werkstatt sehr gut, so dass ich mit dem Finish mehr als zufrieden bin. Nur für den silberfarbenen Deckel verwendete ich eine angebrochene Dose Spraylack, die ich noch hatte. Für die korrekte Bemalung der Logos und Schriftzüge sorgte meine Tochter, ihres Zeichens Kunstlehrerin.

Die Gummiprofile habe ich neu von Hazet als ganz normale Ersatzteile des aktuellen Nachfolgertyps „166N“ bestellt. Allerdings sind die Blechfalzaufnahmen nicht identisch, so dass ich die Profile nicht „trocken“ verklemmen konnte, sondern zusätzlich verkleben musste. Mit einem Industrie-Profilgummikleber klappte dies aber einwandfrei.
Natürlich habe ich auch die Technik überholt. So habe ich die Arretierungen der Werkzeugkästen gangbar gemacht, die Laufrollen habe ich zerlegt, die Kugellager – jeweils zwei pro Rad – gereinigt und neu gefettet. Die alten Tragketten der Werkzeugetagen habe ich durch neue Ketten der gleichen Dimension ersetzt, die sich in meinen Beständen gefunden haben. Auch alle Schrauben und Muttern habe ich mit der Drahtbürste gereinigt und wieder verwendet, um so viel „original“ wie möglich zu erhalten.
Abgewichen bin ich vom Originalzustand nur in zwei Punkten: Um den Lack zu schonen habe ich die Werkzeugkästen mit Gummieinlagen versehen, ebenso wie den oberen Ablagetisch, der serienmäßig ohne Matte ausgeliefert wurde.
Alles in allem war das eine schöne Feierabend- und Wochenendarbeit. Lohn der Mühe ist ein neuwertiger Werkzeugwagen, der einen immerhin einen Listenpreis von 1.176,91 Euro hat. In der Garage stellt er neben meinem SL nun den zweiten Hingucker dar. 😊

Martin, vielen Dank für diesen Erfahrungsbericht – das Ergebnis sieht klasse aus! Und wer noch mehr von Martins Erfahrungen lesen möchte, der findet auf dieser Seite den Blog von Martin zu allen Erlebnissen mit einem Mercedes SL:
Welche Aktivitäten verfolgt Ihr in der Youngtimer-Winterpause? Ich freue mich wie immer über Kommentare unter dem Beitrag! 😊


