
Ich bin ein großer Fan des Kombiinstruments im Mercedes SL der Baureihe 129: Fünf Rundelemente, sieben Zeigerinstrumente, das erste Mal mit Durchlichttechnik – das war 1989 (und noch viele Jahre danach) ein echtes Hightech-Gerät. Weniger offensichtlich ist aber, wie viele Varianten und Entwicklungsstufen es vom Kombiinstrument im R129 gab. Ich bin immer wieder mit einzelnen Aspekten davon in Berührung gekommen; hier fasse ich einmal zusammen, welche grundlegenden Varianten es vom Kombiinstrument gab und was sich in den Jahren seiner Bauzeit alles geändert hat.
Varianten vom Kombiinstrument im R129
Zunächst mal gab es für das Kombiinstrument zwei unterschiedliche Hersteller, deren Instrumente zwar für den Fahrer praktisch identisch aussahen, sich aber in technischen Details unterschieden. Diese beiden Hersteller waren:
- VDO (später in Continental Automotive aufgegangen)
- Motometer
Beide Hersteller wurden durch Mercedes über Jahre parallel eingesetzt, wobei sich für mich nicht recherchieren ließ, wann welcher Hersteller eingesetzt wurde. In den gängigen Foren wird hingegen intensiv diskutiert, welche Vor- und Nachteile die beiden Lieferanten wohl hatten. Man liest des öfteren, dass es bei der Variante von Motometer häufiger als bei VDO zu Problemen mit dem mechanischen Walzenzähler komme (Bruch eines kleinen Zahnrads). Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Es lässt sich auch nicht ohne weiteres herausfinden, welcher Hersteller in meinem eigenen R129 verbaut ist; Experten können das an Details im Schriftbild der Ziffern offenbar erkennen, der sichere Weg ist aber wohl nur der Ausbau für den Blick auf die Aufkleber mit dem Herstellernamen.
Varianten des Kombiinstruments je nach R129-Modell
Wenn man über die Varianten des Kombiinstruments spricht, fängt man sinnvollerweise mit den Unterschieden der Motorvarianten an. Sie unterschieden sich an jeweils an den Skalen von Drehzahlmesser und teilweise auch Tachometer.
Werfen wir also einen Blick auf die Unterscheidungsmerkmale der Kombiinstrumente je nach Motorisierung eines R129:
Bei diesem Kombiinstrument kann es sich nur um einen Mercedes 300 SL handeln; nur er hatte den Tachometer bis 240 km/h, und nur er hatte den roten Bereich des Drehzahlmessers ab 6.100/min.

Bei dem folgenden Kombiinstrument kann es sich nur um einen Mercedes 300 SL-24 handeln. Nur er hatte einen Drehzahlmesser mit Beginn des roten Bereichs ab 7.000/min.

Bei dem nachfolgenden Kombiinstrument kann es sich entweder um einen Mercedes 500 SL oder 600 SL handeln. Ihre Skalen waren identisch bedruckt.

Bei diesem Kombiinstrument kann es sich um einen Mercedes SL 280 oder SL 320 handeln. Beide hatten den roten Bereich des Drehzahlmesser beginnend bei ca. 6.400/min.

Die (seltenen) R129 mit leistungsstärkeren AMG-Motoren hatten auch einen anderen Tacho. In der Regel handelte es sich um den AMG-Tacho bis 300 km/h. Es gab als Option aber auch einen AMG-Tacho mit einer Skala bis 320 km/h. (Auf dem ersten Foto ganz oben auf dieser Seite ist ein Mercedes SL 73 AMG aus dem Modelljahr 2000 zu sehen.)

Neben den Motorvarianten gab es noch weitere modellbedingte Unterschiede: Vom Mercedes SL R129 gab es im Laufe der Jahre verschiedene Sondermodelle. Dazu gehört zum Beispiel die Edition „Mille Miglia“, die in vier Varianten von 1995 bis 2001 in einer Menge von insgesamt etwa 50 Fahrzeugen gebaut wurde. Die „Special Edition“ wurde mehrere hundert Mal produziert. Später gab es noch die „SL Edition“, die „Final Edition“ oder die „FormulaOne Edition“. Auf der deutschen Wikipedia-Seite zum R129 gibt es eine gute Übersicht über die Sondernodelle des R129. Manche Sondermodelle hatten optisch angepasste Kombiinstrumente bspw. mit Aluminium-Optik. Hinzu kamen die farblichen Individualisierungsoptionen von Mercedes Designo.


Weiterentwicklung des Kombiinstruments im Laufe der Jahre
Neben den modellbedingten Varianten erfuhr das Kombiinstrumente im Laufe des R129-Modellzyklus‘ von 1989 bis 2001 erhebliche technische Änderungen. Ich führe deshalb hier eine Chronologie der Weiterentwicklung des Kombiinstruments auf:
1989 bis 1993: Erste Generation mit mechanischem Walzenzähler
Die Präsentation des R129 im Jahr 1989 war ein echter „Paukenschlag“ der Innovationen, und das Kombiinstrument spielte dabei von Anfang an eine wichtige Rolle. Eine wesentliche Innovation des R129 war die Durchlichttechnik: Statt die Skalen wie üblich von vorne anzustrahlen, entwickelte Mercedes ein neues Hinterleuchtungsprinzip, das die Anzeigen bei Dunkelheit deutlich gleichmäßiger und kontrastreicher erscheinen ließ. Das Unternehmen bezeichnete dieses Beleuchtungskonzept damals als erstmals in einem Serien-Pkw eingesetzt. Dadurch entstand die für den R129 typische warme bernsteinfarbene Nachtbeleuchtung, die viele R129-Fans (mich eingeschlossen) bis heute schätzen.

Neu war auch die große Zahl an überwachten Funktionen im Kombiinstrument. Das Kombiinstrument konnte unter anderem warnen vor:
- niedrigem Kühlmittelstand,
- zu wenig Scheibenwaschwasser,
- niedrigem Motorölstand,
- ausgefallenen Glühlampen,
- Störungen von ABS,
- Eingriff von ASD bzw. ASR,
- Störung des Airbags,
- automatisch ausfahrendem Überrollbügel,
- Sitzlehnenverriegelung.
Für ein Fahrzeug des Jahres 1989 war das außergewöhnlich umfangreich.
Der bis 1993 eingesetzte mechanische Walzenzähler hatte rückblickend jedoch ein Problem: Beim mechanischen Kilometerzähler zerbricht nach langer Nutzung häufig ein kleines Kunststoff-Zahnrad. Die Folge: Tacho und Drehzahlmesser funktionieren weiterhin, aber der Kilometerzähler bleibt stehen. Das ist einer der häufigsten Defekte des frühen R129-Kombiinstruments.

⚠️ Wichtig für R129-Käufer: Viele ältere R129 besitzen heute den elektronischen LCD-Kilometerzähler, obwohl sie werksseitig mit dem mechanischen Walzenzähler ausgeliefert wurden. (Es lässt sich anhand des Modelljahres ja einfach nachvollziehen, welche Version der R129 werksseitig hatte.) Der Grund ist, dass Mercedes später nur noch die neuere, digitale Version als Ersatzteil lieferte. Wurde ein Kombiinstrument ersetzt, erhielt deshalb auch ein früher R129 einen elektronischen Kilometerzähler. Mit einem ausgetauschten Kombiinstrument steht auch der angezeigte Kilometerstand infrage, denn der ist mit dem Tausch des Kombiinstruments wieder bei 0 losgelaufen!
Fun Fact: Auf frühen R129-Tachometern ist häufig die originale Mercedes-Teilenummer des Tachos (nicht des Kombiinstruments) direkt auf der Skala aufgedruckt. Diese Nummer kennzeichnet den Tachometer als eigenständiges Ersatzteil und nicht das komplette Kombiinstrument. Mit der fortschreitenden Integration der Instrumenteneinheit verschwand diese sichtbare Kennzeichnung bei späteren Baujahren – ein kleines Detail, an dem Kenner oft frühe und späte Instrumente unterscheiden können.

Ab Modelljahr 1994: Elektronische LCD-Anzeige für den Kilometerzähler
Mit dem Modelljahr 1994 stellte Mercedes-Benz den R129 auf einen elektronischen Kilometerzähler mit LCD-Anzeige um. Sowohl Gesamt- als auch Tageskilometer wurden nun digital angezeigt. Gleichzeitig änderte sich die Elektronik des Kombiinstruments grundlegend.
Die Umstellung erfolgte zum Modellwechsel im Herbst 1993, weshalb das Produktionsdatum entscheidend ist. Fahrzeuge aus dem Baujahr 1993 besitzen in der Regel noch den klassischen Walzenzähler, während spätere Modelle den digitalen Kilometerstand anzeigen.

Ab Modelljahr 1995: Neues Design mit der ersten Modellpflege
Mit der großen Modellpflege, die ein Jahr später zum Modelljahr 1995 für den Mercedes R 129 erfolgte („Mopf 1“), gab es optisch keine weiteren Änderungen am Kombiinstrument. Die dahinterliegende Elektronik (wie zum Beispiel die Platinen) und die Steuergeräte haben sich jedoch aufgrund der Weiterentwicklung der Fahrzeugelektronik sehr wohl geändert. Deshalb haben die Kombiinstrumente zum Modelljahr 1995 auch neue Artikelnummern von Mercedes bekommen.
Ab Modelljahr 1997: Flexible Wartungsintervallanzeige
Mit dem Modelljahr 1997 erhielt das Kombiinstrument des R129 eine flexible Wartungsintervall-Anzeige, erkennbar an dem großen Display für die Kilometerzähler, wo es vorher zwei separate Einzeiler waren. Dasselbe System wurde parallel auch in anderen Modellen wie zum Beispiel dem W140 eingeführt.
Ab Modelljahr 1998: Neues Design, umfassendere Vernetzung und Entfall des Öldrucks
Mit dem Modelljahr 1998 wurde zur zweiten Modellpflege („Mopf 2“) ein nochmals umfassend überarbeitetes Kombiinstrument mit neuer CAN-Bus-Anbindung, neuer Elektronik, Öltemperaturanzeige statt Öldruck wie bisher und silbernen Zierringen eingeführt. Mercedes entwickelte das Kombiinstrument technisch weiter und passte es an die neue Fahrzeuggeneration (W210, W202, R170) an. Das Steuergerät im Kombiinstrument wurde leistungsfähiger und übernahm zusätzliche Diagnose- und Kommunikationsaufgaben. Gleichzeitig wurde die Software überarbeitet und stärker in die Fahrzeugelektronik integriert.
Die Öldruckanzeige gehörte von 1989 bis einschließlich Modelljahr 1998 zur Serienausstattung aller R129, unabhängig davon, ob es sich um einen Reihensechszylinder, V8 oder V12 handelte. Mit der großen Modellpflege zum Modelljahr 1999 (Produktionsbeginn etwa Juli/August 1998) wurde sie in allen europäischen R129 durch eine Öltemperaturanzeige ersetzt.

Technisch interessant ist die Vernetzung des Kombiinstruments durch den CAN-BUS: Der R129 arbeitete in Richtung des Kombiinstruments noch überwiegend mit Einzelsignalen. Drehzahl, Geschwindigkeit, Tankinhalt oder Kühlmitteltemperatur wurden jeweils separat an das Kombiinstrument übertragen. Mit dem Modelljahr 1999 wurden deutlich mehr Informationen über den CAN-Bus zwischen den Steuergeräten ausgetauscht. Das Kombiinstrument kommunizierte dadurch viel intensiver mit Motorsteuergerät, Getriebesteuergerät und weiteren Steuergeräten. Dadurch ließen sich Diagnosen vereinfachen und neue Funktionen integrieren.
Ein anderes, neues Detail im Kombiinstrument ist die Weiterentwicklung des Flexible Service Systems (FSS). Das Kombiinstrument berechnete die verbleibende Zeit bis zur nächsten Wartung nicht mehr nur anhand der gefahrenen Kilometer, sondern berücksichtigte zusätzlich:
- Anzahl der Kaltstarts
- Motorbelastung
- Fahrprofil
- Betriebsdauer
Dadurch konnten die Wartungsintervalle individuell angepasst werden. Das Kombiinstrument wurde zum eigentlichen Rechner des Wartungssystems.
Ab Modelljahr 2000: Sondermodelle mit neuer Optik
Zum Ende des Laufzeit des R129 wurden nochmal einige Sondermodelle aufgelegt, die es auch teilweise nur in bestimmten Ländern gab. Bei diesen rückten dann auch Modifikationen der Optik des Kombiinstruments in den Fokus. So gab es im Modelljahr 2000 nochmal Fahrzeuge einer Mille Miglia 2000 Edition, deren Kombiinstrument eine Aluminium-Optik bekamen.

Ein anderes Beispiel ist die Final Edition des R129, die zum Ende der Laufzeit im Modelljahr 2001 aufgelegt wurde und mit 674 Exemplaren produziert wurde. (Auf dieser empfehlenswerten, privaten Webseite gibt es mehr Infos zur Final Edition.)

Fazit
Es hat sich einiges getan am Kombiinstrument des R129 im Laufe der Jahre. Es ist vor allem als Käufer eines R129 sinnvoll, diese Veränderungen zu kennen. Zum einen lässt sich die verbaute Technik so besser verstehen, zum anderen – und das mag der entscheidendere Punkt sein – trifft man auf dem Markt vergleichsweise häufig auf R129, in denen nicht mehr das werksseitige Kombiinstrument verbaut ist. Das zu erkennen ist besonders vorteilhaft, da dann eben auch der angezeigte Kilometerstand wahrscheinlich nicht mehr der Laufleistung vom Gesamtfahrzeug entspricht…


