
Nach zwei Monaten Wartezeit für die Zulassung (siehe mein Bericht dazu) und dem Werkstattaufenthalt im Anschluss konnte ich meinen neuen Daimler Super V8 in den vergangenen drei Wochen endlich mal etwas ausgiebiger fahren. Ich bin sehr begeistert, er fährt wirklich gut und macht viel Spaß. Aber – was ist denn anders als zuvor in meinem Daimler V8, den ich immerhin 13 Jahre lang besessen habe?


Diese Frage ging mir in den ersten Wochen mit dem neuen Daimler natürlich häufig durch den Kopf. In diesem Beitrag fasse ich mal zusammen, welche Unterschiede mir im Alltag am deutlichsten aufgefallen sind.
1. Das Fahrwerk des Super V8 ist straffer
Der für mich deutlichste Unterschied nach dem Umstieg besteht nicht im Motor, sondern im Fahrwerk. Der Super V8 federt straffer und neigt sich in Kurven deutlich weniger als mein Daimler V8 es vorher tat. Bodenwellen und Schlaglöcher werden auch etwas deutlicher an die Passagiere durchgereicht. Ich empfinde das ingesamt als sehr positiv, da es das Auto noch etwas fahraktiver macht.
Das dürfte im Wesentlichen am CATS-Fahrwerk liegen (aber nicht nur, wie wir noch sehen werden). Das CATS-Fahrwerk („Computer Active Technology Suspension“) war Jaguars elektronisch geregeltes Dämpfungssystem, das Fahrkomfort mit sportlicher Fahrdynamik verbinden sollte. Sensoren überwachen permanent unter anderem Fahrzeuggeschwindigkeit, Lenkbewegungen sowie Beschleunigungswerte und passen die Dämpferkennlinie innerhalb von Millisekunden an die jeweilige Fahrsituation an. Das Ziel war es, in Kurven oder bei dynamischer Fahrweise spürbar Wank- und Nickbewegungen zu reduzieren. Bei allen Jaguar X308 mit Kompressormotor – also dem XJR und dem Daimler Super V8 – gehörte das CATS-Fahrwerk zur Serienausstattung, für die anderen war es eine (teure) Sonderausstattung.
Im Motorraum lässt sich auf einen Blick erkennen, ob ein X308 mit oder ohne CATS-Fahrwerk vor Dir steht. Beim „klassischen“ Fahrwerk ohne elektronische Regelung ist im Motorraum oben auf dem Federbein vorne links und rechts nur ein Dämpfungselement mit Verschraubung zu sehen; siehe linkes Bild in nachfolgender Abbildung. Beim CATS-Fahrwerk sollte an dieser Stelle hingegen eine Kunststoffkappe zu sehen sein; siehe rechtes Bild. Diese Kunststoffkappe deckt die Kabel ab, die die elektronische Dämpferverstellung steuern.


Die Straffheit dürfte aber nicht nur am CATS-Fahrwerk liegen. Der Super V8 trägt serienmäßig 17“-Felgen, die damit ein Stück größer sind als die 16“-Felgen des V8. Größere Felgen führen bekanntermaßen zu flacheren Reifen und damit zu einem strafferen Fahrgefühl. Man sieht den Unterschied auch optisch recht deutlich, finde ich. In diesem Bild steht links der Daimler V8 mit seinen Felgen des Typs Crown, rechts der Super V8 mit den Solar-Felgen. (Beide wurden mit diesen Felgen ab Werk serienmäßig ausgestattet.) Die 17“ stehen dem X308 gut, aber viel größer sollten Felgen für die zierliche Karosserie nicht sein.


Und, last not least, mag ein dritter Effekt auch darin liegen, dass mein Daimler Super V8 eben nur rund 85.000 Kilometer gelaufen hat, mein Daimler V8 aber mit 150.000 nahezu das Doppelte. Ich merke beispielsweise, dass der Fahrersitz noch etwas straffer ist als in meinem alten Daimler.
2. Der Motor spricht auch bei niedrigen Drehzahlen merklich spontaner und kräftiger an (und man kann den Kompressor hören)
Der nächste Unterschied ist der offensichtlichste: Der Kompressor im Super V8 prägt den Fahreindruck in Verbindung mit der 5-Gang-Automatik von Mercedes etwas anders. Mein erster Eindruck war, dass der Motor bei niedrigen Drehzahlen spontaner reagiert, besser „am Gas hängt“. Das ist vermutlich insgesamt eine Mischung aus Kompressor, Mercedes-Automatik und geringerer Laufleistung.
Schön ist aber vor allem, dass der Motor bei niedrigen bis mittleren Drehzahlen deutlich durchzugsstärker ist als der Saugmotor. Letzterer war ohne Frage auch eine völlig adäquate Motorisierung, aber nicht mit viel Durchzugskraft bei niedrigen Drehzahlen gesegnet. Das ist im Super V8 nun deutlich anders und macht mir bei jeder Fahrt Freude. 😊

Dazu kommt, dass man den Kompressor durchaus hört. Bei niedrigen Drehzahlen ist es wie ein leises Pfeifen, einem Turbo nicht unähnlich. Bei mittleren Drehzahlen wird es dann mehr zu einem sirrenden Geräusch – typisch Kompressor eben.
Ein Freund hat mich auch drauf angesprochen, dass der Super V8 beim Rangieren von außen sonorer klingt als der Daimler V8. Das mag daran liegen, dass die Endrohre beim Kompressor im Durchmesser etwas größer sind.
3. Das fehlende Soundsystem fehlt mir nicht wirklich
Meinem neuen Super V8 fehlt das Alpine-Soundsystem als Sonderausstattung. Mir fällt das optisch auf, da in der A-Säule keine Hochtöner mehr sitzen. Gespannt war ich, wie sich das in der Musikqualität auswirkt. Ich muss dazu sagen, dass ich gerne mal Radio oder eine CD höre, aber kein großer Spezialist für HiFi-Systeme bin. Für mich ist die serienmäßige Audioanlage absolut ausreichend. Bei geringen Lautstärken merke ich keinen nennenswerten Unterschied. (Bei höheren Lautstärken machen die Hochtöner und des Subwoofer schon einen gewissen Unterschied aus.)

4. Der Verbrauch ist rund zwei Liter höher
Wie erwartet fällt im Bordcomputer auf, dass der Verbrauch beim Super V8 etwas höher liegt. Nach den ersten drei Wochen würde ich schätzen, dass der Unterschied rund 2-3 l/ 100km in der Praxis beträgt, wobei ich bislang primär im Stadtverkehr unterwegs war. In den ersten drei Wochen habe ich im Durchschnitt rund 15 l/ 100 km mit dem Super V8 verbraucht.
5. „Leder Ivory“ ist schön, aber farbempfindlich
Ich habe große Freude am toll erhaltenen Zustand des Interieurs. Das Wurzelnussholz strahlt wie neu und das Leder Ivory ist ebenso sehr gut erhalten. Es ist allerdings ohne Frage sehr empfindlich, was Verfärbungen angeht. Schon beim Aufenthalt in der Werkstatt sind die Mittelarmlehne oder die Armlehnen in den Türen, die ebenfalls mit dem Ivory-Leder bezogen sind, in Gefahr für kleine Ölflecken. Da ich meistens dunkle Hosen trage, fahre ich den Super V8 auch konsequent mit einem weißen Handtuch auf dem Fahrersitz, um Verfärbungen zu vermeiden.

Das Leder ist also etwas aufwändiger und pflegeintensiver als das Schwarze zuvor, aber das muss ich nun in Kauf nehmen. Schön aussehen tut es alle Male (wobei ich es nicht notwendigerweise schöner finde als das schwarze Charcoal in meinem Daimler V8)!
Zu guter letzt gibt es hier noch einen Rundumblick durch den Super V8 im Video! 😊
Mein Fazit
Mein Fazit in einem Satz: Auch wenn mir der Abschied von meinem Daimler V8 nach 13 Jahren schwer gefallen ist, freue ich mich heute sehr über den Umstieg! Das liegt im Wesentlichen daran, dass der Zustand doch noch ein kleines bisschen perfekter ist als bei meinem vorherigen X308, was vor allem der deutlich geringeren Laufleistung geschuldet sein dürfte. Aber auch der Kompressormotor und das CATS-Fahrwerk machen Spaß, auch wenn man beides nicht unbedingt bräuchte… 😉


