
Vor einigen Wochen hatte ich in diesem Beitrag auf meiner Seite darüber geschrieben, dass die S-Klasse der Baureihe W220 ganz aktuell im „Moment vor dem Klassiker“ steht. Entsprechend verlockend sind die Preise, zu denen gute Exemplare, oft aus erster Hand, im Moment noch zu haben sind. Und während ich in diesem Folgebeitrag dazu darüber sinnierte, ob nicht jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, um meinen R129 gegen einen S600 einzutauschen, schrieb mir Carsten mit seinem Erfahrungbericht. Er fährt bereits seinen zweiten S600 Mopf, von dem er uns in diesem Beitrag mehr erzählt.
Damit gebe ich das Wort gerne weiter an Carsten! 😊
Ich habe meine S-Klasse, einen S600 Mopf der Baureihe V220 (=langer Radstand) aus 2004, im Jahr 2022 gekauft. Nach langer Suche nach einem gepflegten Exemplar mit bestimmten Ausstattungsmerkmalen, die ich unbedingt haben wollte, hatte ich mein Exemplar in den Niederlanden gefunden. Ich habe es aus erster Hand mit knapp 200.000 Kilometern gekauft. Inzwischen habe ich einen größeren Trip bis zur Toskana sowie mehrere Ausflüge, mit dem Mercedes unternommen.
Das Interieur befindet sich, ohne Übertreibung, im Jahreswagenzustand, es ist sozusagen eine Zeitkapsel. Der Mercedes-Benz S 600 (Mopf) der Baureihe W220 ist das Facelift-Modell (gebaut von 2002 bis 2005). Er zeichnet sich gegenüber den frühen Baujahren besonders durch seinen leistungsstarken 5,5-Liter-V12-Biturbo (M275) mit 500 PS aus. 😊

Da ich 2020 für ein knappes halbes Jahr bereits einmal einen S600 Mopf besaß, kannte ich das Fahrverhalten sowie die Leistungsentfaltung. Nach einigen Fahrten konnte ich feststellen, dass mein aktuelles Exemplar bei 250km/h abgeriegelt ist. Meinen vorherigen S600 Mopf konnte ich innerhalb meines Besitzes einmal „fast“ ausfahren, wobei mein GPS-Tracker etwas über 290 km/h anzeigte – und es war noch Luft nach oben. Nur leider war es verkehrstechnisch nicht möglich gewesen, diesen S600 auszufahren.

Ich hatte, da ich technisch interessiert bin, recherchiert, was als Vmax mit einem S600 Mopf möglich ist und bin auf Infos gestoßen, die von 312km/h sprechen. Ich muss sagen, selbst bei über 290km/h lag der S600 wie ein Brett auf der Straße. Für Liebhaber und Auto-Enthusiasten sei aber erwähnt, dass bei einer Vmax-Entriegelung ggf. sogar noch mit Leistungssteigerung bedacht werden sollte, dass verschiedene Bauteile ggf. nicht dafür ausgelegt sind, z.B das Thema „Abtrieb“. Modelle wie der S55 AMG und der S65 AMG sind diesbezüglich aerodynamisch modifiziert und können ohne Bedenken über 300km/h fahren, da sie von Werk aus dafür ausgelegt sind.
Einige Infos zum Triebwerk:
Im Grunde genommen handelt es sich beim M275 um einen erweiterten M113-V8, welcher um weitere 4 Zylinder ergänzt wurde. Dazu wurde er in Kombination mit den beiden Turboladern überarbeitet. Der M275 wurde u.a im Maybach der frühen 2000er Jahre verbaut sowie im Supersportwagen von Pagani, auch wenn gerade im Pagani selbstverständlich eine große Überarbeitung stattfand. Wenn man sich dessen bewusst ist und bedenkt wie unglaublich günstig (insbesondere im Vergleich zum Maybach und Pagani) man diesen Motor in der S-Klasse fahren darf, ist es schier unglaublich.

Die Motoren der M275-Familie scheinen übrigens, wie bei Turbomotoren generell üblich, nach oben zu streuen. Beim Kauf habe ich mehrere Unterlagen erhalten. Dazu gehörte ein Leistungsdiagramm, das mir knapp 530 PS und ca. 900 Nm bescheinigt.
Was macht die eigentliche Faszination am MB S600 Mopf V220 aus?
Es ist im Grunde genommen das majestätische und erhabene Dahingleiten, vorausgesetzt das ABC-Fahrwerk ist „frisch“. 😊 Die Art und Weise, wie man z.B. aus einer Baustelle heraus auf der Autobahn auf 200km/h beschleunigt, ohne Lärm, ohne Vibrationen, und wie ein heißes Messer durch Butter gezogen: Das ist, zumindest für mich, was das Fahren und die Entscheidung für einen S600 bestätigen. Das gigantische Drehmoment in allen Drehzahlbereichen ist schlicht faszinierend. Die kleinen Turbos sprechen sehr gut an. Man bekommt selten das Verlangen zu „rasen“, dafür ist es das falsche Auto, auch wenn das ABC-Fahrwerk sehr gut arbeitet und nahezu keine Seitenneigung zulässt.
Dieses Auto bringt eine gewisse Suchtgefahr mit sich. Dennoch ist der Verbrauch erstaunlich gering, für eine Leistung, grob gesagt, zwischen 500 und 600 PS und bei rund 2,3 Tonnen Gewicht. Im Schnitt, bei normaler Fahrweise, Stadt/Autobahn, liegt man bei rund 14 l/100km.
Zur Ausstattung:
Der S600 bietet naturgemäß eine sehr gehobene Serienausstattung. Mir persönlich gefällt es sehr, dass beinahe alles mit Leder bezogen ist; Hutablage, Armaturenbrett, Dachhimmel usw.
Sonderausstattungen wie Aktivsitze, welche belüftet, beheizt und mit diversen Luftkammern ausgestattet sind, sind eine sehr schöne Sonderausstattung: In Kurven pumpt sich der Sitz blitzschnell an der entsprechenden Seite auf. Holztische im Fond runden die harmonisch, elegante Atmosphäre ab.


Das einzige Extra, das ich entfernt habe, ist das Kühlfach im Kofferraum, da es mit einem echten Kühlschrank nichts zu tun hat. Es hat lediglich einen schwachen Ventilator verbaut, welcher bei wärmeren Temperaturen lediglich in Kombination mit Kühlakkus effektiv ist; zudem verbraucht es Ruhestrom.

Mein Fazit
Es lohnt sich für Fans dieser Baureihe darüber nachzudenken, jetzt solch ein Fahrzeug zu kaufen, da sie aktuell immer noch recht günstig zu bekommen ist. Aber bedenkt, Ihr braucht, sofern Ihr nicht selbst schraubt, eine fachkundige Werkstatt Eures Vertrauens, die humane Preise hat, falls mal etwas an Motor, Peripherie und insbesondere am ABC-Fahrwerk anfällt. Und das wird es, versprochen! 😉
In diesem Sinne runde ich meinen Gastbeitrag mit dem Slogan von BMW ab:
Freude am Fahren! 😊
Carsten, herzlichen Dank für diesen eindrucksvollen Erfahrungsbericht (…der mich einmal mehr verleitet, das Netz nach guten und günstigen S600 Mopf zu durchforsten 😉).


