Das Thema Rost ist beim Youngtimer-Kauf aus zwei GrĂŒnden interessant: Zum einen ist der Rostbefall nicht immer offensichtlich, sondern manchmal sehr versteckt. Zum anderen bedarf es einer Einordnung, wie kritisch eine Roststelle im Einzelfall zu bewerten ist. Da ich in diesem Jahr mal wieder aktiv auf der Suche nach einem neuen Youngtimer bin, ist das Thema fĂŒr mich gerade auch sehr aktuell.

In diesem Beitrag fasse ich deshalb zusammen, worauf es mir ankommt und wie ich bei meiner Suche mit dem Thema Rost umgehe.

So einfach ist Rostbefall beim Youngtimer-Kauf in aller Regel nicht erkennbar 😉

Ein „rostfreier“ Youngtimer ist in Inseraten nicht schwer zu finden đŸ€”

Geht man nach den Youngtimer-Inseraten, ist der Fall eigentlich einfach: In den Fotos stĂ¶ĂŸt man nur in den seltensten FĂ€llen auf ehrliche Fotos mit Rostbefall (die rĂŒhmlichen Ausnahmen bestĂ€tigen hier natĂŒrlich die Regel). Hinzu kommen viele Inserate, in denen der VerkĂ€ufer ein „rostfreies“ Fahrzeug verspricht.

Hier wird ein Jaguar der Baureihe X300 inseriert: „Der Wagen ist rostfrei und in einem wirklich tollen Zustand“. (Bildquelle: kleinanzeigen.de)

Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele VerkĂ€ufer großzĂŒgig mit der Begrifflichkeit „rostfrei“ umgehen (auch hier bestĂ€tigen die rĂŒhmlichen Ausnahmen die Regel). Wenn man kritisch nachfragt oder vor Ort ist, wird ĂŒber OberflĂ€chenrost als „normal“ hinweggesehen, und punktueller Falz- und Kantenrost ist „keine große Sache“. Im Ergebnis sind nachher schnell einige Tausend Euro fĂ€llig, und das wahre Ausmaß offenbart sich ohnehin erst nach dem dritten Werkstattbesuch.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele VerkĂ€ufer großzĂŒgig mit dem Begriff „rostfrei“ umgehen.

Typische Frage beim Youngtimer-Kauf: Rostige Fahrwerkskomponenten, aber das Auto sei ansonsten rostfrei – ist das glaubwĂŒrdig?

So habe ich es beispielsweise bei meinem Jaguar X308 erlebt, in den ich in den ersten 10 Jahren rund 10.000 Euro in Rostbeseitigung und Rostvorsorge investiert habe, wie mein damaliger Kassensturz in diesem Beitrag offenbart hat. Bei meinem nĂ€chsten Youngtimer wĂŒrde ich mir diese Ausgabe gerne ersparen, in dem ich vorher genauer hinsehe. Worauf muss man dabei also achten?

Was ist Rost und warum entsteht er an bestimmten Stellen? đŸ€”

Rost ist das Ergebnis einer chemischen Reaktion zwischen Eisen, Sauerstoff und Feuchtigkeit (und nichts anderes als Eisenoxid). Sobald Wasser und Luft an blankes Metall gelangen, beginnt ein Prozess, bei dem Elektronen vom Eisen auf den Sauerstoff ĂŒbertragen werden (Sauerstoffkorrosion). Noch schneller passiert das, wenn Salz oder Schmutz auf der Karosserie liegen, weil sie den chemischen Prozess beschleunigen (SĂ€urekorrosion).

Im Laufe der Zeit löst sich das Metall langsam auf und bildet die typisch bröselige, braune Schicht. Das Problem: Diese Schicht bietet keinen Schutz mehr vor weiterer Zersetzung. Und weil Blech und Metall insbesondere an bestimmten Stellen beim Fahren viel Feuchtigkeit, Vibrationen und SteinschlÀgen ausgesetzt sind (und oft genug noch Salz hinzukommt), reichen schon kleine SchÀden, damit Rost sich entwickeln kann.

Blick hinter die Tankklappe eines BMW Siebener der Baureihe E32: An einer solchen Stelle kommen Feuchtigkeit von stehendem Wasser und die Reibung miteinander verbundener Bleche zusammen. Deswegen ist es eine typische Roststelle. Hier mag es noch nicht dringend sein, aber wenn man das nicht grĂŒndlich angeht, breitet sich der Rostbefall weiter aus.

Rost entsteht beim Auto deshalb typischerweise da, wo folgende Einflussfaktoren zusammenwirken:

  • Kanten oder Falze, zum Beispiel bei Blechverbindungen, an Schweisspunkten, in Wagenheberaufnahmen, in Schraubverbindungen, etc.
  • Besondere Feuchtigkeit, vor allem durch Ansammlungen von Regenwasser (wie hinter der oben abgebildeten Tankdeckelmulde) oder Verschmutzungen wie im KotflĂŒgel oder Radkasten
  • BeschĂ€digungen des Lacks oder Rostschutzes durch Steinschlag und Salz auf der Straße, wie in den KotflĂŒgel, TĂŒrunterkanten oder am Unterboden  

Es gibt je nach Modell typische Stellen, die man kennen sollte đŸ•”ïžâ€â™‚ïž

Rostbildung bei einem Youngtimer ist kein „Pech“, sondern wird neben dem Nutzungsprofil und der Pflege vor allem durch seine Konstruktion und MaterialqualitĂ€t beeinflusst. Es gibt deshalb bei der RostanfĂ€lligkeit sehr große Unterschiede zwischen einzelnen Modellen. Es gibt zur RostanfĂ€lligkeit bestimmter Modelle keine reprĂ€sentative Statistik.

Typische Beispiele ziehen sich aber wie ein roter Faden durch meine Jahre in der Youngtimer-Szene:

✅ Die Mercedes-Modelle W123, W201, W126 und R129 sind vergleichsweise robust, qualitativ hochwertig und bei entsprechender Pflege wenig rostanfĂ€llig. Ă„hnliches gilt fĂŒr Modelle wie den BMW E32 und E38. Auch die Volvo 240, 740 und 940 gelten als sehr haltbar. Ebenso genießen Audi 80 B3/B4 und Audi 100 C4 mit teil- bzw. vollverzinkter Karosserie den Ruf, sehr widerstandsfĂ€hig gegen Rost zu sein. 

❗Als rostanfĂ€llig gelten dagegen zum Beispiel Fiat Ritmo, Tipo I, Uno, oder auch Alfa Romeo Alfetta, GTV6, 75, 155. Das gleiche gilt typischerweise fĂŒr Ă€ltere Peugeot. Ebenso sind die Jaguar-Modelle XJ sowie der XJS tendenziell rostanfĂ€llig.

⚠ Hinweis: Das sind allgemeine EindrĂŒcke, die ich immer wieder bestĂ€tigt gefunden habe, die aber natĂŒrlich nicht immer gelten. Im Einzelfall kann ein verbrauchter Mercedes W126 aus Bayern viel rostiger sein als ein topgepflegter Jaguar XJ aus dem sonnigen SĂŒden.  

Drei schicke CoupĂ©s, alle faszinierende Klassiker – aber wenn ich Rost finden mĂŒsste, wĂŒrde ich definitiv als erstes beim Jaguar suchen (so sehr ich die Marke mag)…

Warum rosten unterschiedliche Marken und Modelle der 90er Jahre unterschiedlich stark?

Die sehr unterschiedliche RostanfÀlligkeit verschiedener Youngtimer-Modelle liegt vor allem in diesen vier grundsÀtzlichen Merkmalen bedingt:

❗Unterschiedliche StahlqualitĂ€ten und Rostschutz-Maßnahmen
Blechlegierungen und StahlqualitĂ€ten unterschieden sich merklich je nach Hersteller, Epoche und sogar Modellreihe. Das hatte spĂŒrbaren Einfluss auf die RostanfĂ€lligkeit. Nicht jeder Hersteller bezog sein Blech in gleicher GĂŒte. Manche setzten auf höher legierte, reinere StĂ€hle mit besserer KorrosionsbestĂ€ndigkeit, andere auf einfachere TiefziehstĂ€hle, die sich gut verarbeiten ließen, aber schneller rosteten. In den 80er und 90er Jahren wurde auch oft am Korrosionsschutz gespart. Weniger Hohlraumversiegelung und einfache Lackaufbauten waren gĂŒnstiger, rosten heute aber schneller.

❗Fehlende (oder nur teilweise) Verzinkung
Vollverzinkte Karosserien waren lange die Ausnahme (Porsche und Audi waren sehr frĂŒh dran). Viele Modelle hatten anfangs auch nur eine teilweise Verzinkung – besonders an Schwellern, RadlĂ€ufen und TĂŒren. Wichtig: Selbst wenn „verzinkt“ draufstand, gab es große Unterschiede: feuerverzinkt vs. galvanisch verzinkt; einseitig vs. beidseitig; komplette Rohkarosse vs. nur Außenhaut.

❗Konstruktive SchwĂ€chen
WasserablĂ€ufe, die zu klein sind, sich zusetzen, oder ganz fehlen, ungĂŒnstige Falze, doppelte Bleche oder schlecht belĂŒftete HohlrĂ€ume wirken alle wie kleine RostbrĂŒter. Ein Klassiker: Stehende Wassertropfen in TĂŒren, hinter Radhausschalen oder unten am Heckscheibenrahmen.

❗Materialmix & Kontaktkorrosion
Alu trifft Stahl, unterschiedliche BlechqualitĂ€ten treffen aufeinander – ohne saubere Trennung entsteht Kontaktkorrosion. Damals wurde darauf viel weniger geachtet als heute.

Eine der typischen Stellen fĂŒr Durchrostung beim Jaguare X308 ist das Radhaus vorne links: Der Rost entsteht hier infolge von konstruktiv bedingter Reibung und Feuchtigkeit gerne zwischen den dreilagigen Blechen und wandert nach außen. Hier mĂŒssen dann großflĂ€chig neue Bleche eingesetzt werden.

Viele Youngtimer rosten deshalb an Stellen, an denen man es zunĂ€chst gar nicht sieht – ein PhĂ€nomen, das man auch „verkĂ€uferfreundlichen Rost“ nennt. Typisch sind innere Radlaufkanten, die außen noch glĂ€nzen, wĂ€hrend sich dahinter schon Feuchtigkeit und Schmutz festsetzen. Auch die Schweller unter Kunststoffverkleidungen können von außen tadellos wirken, obwohl darunter bereits tragende Bleche angegriffen sind.

Meine 10 Schritte zur Bewertung von Rost beim Youngtimer-Kauf

Versteckten Rost erkennt man am besten, wenn man versucht, gezielt Einblicke „ins Innenleben“ der Karosserie zu erhalten. Damit meine ich versteckte Stellen, deren Zustand sich zeigt, wenn man Dichtungen anhebt oder mit einer Taschenlampe in verborgene Ecken leuchtet. FĂŒr mich beginnt diese Suche nach Rost aber, bevor ich mich auf den Weg zum Fahrzeug vor Ort mache. Ich habe im Laufe der Jahre leidvoll verinnerlicht, dass auf die Aussage „rostfrei“ in einem Inserat wenig zu geben ist – genau genommen ist das ein sehr großes Wort, mit dem leichtfertig umgegangen wird.

1ïžâƒŁ Ich frage den VerkĂ€ufer bei meiner Kontaktaufnahme direkt, wie es um das Thema Rost steht. Man bekommt schnell ein GefĂŒhl dafĂŒr, inwiefern der VerkĂ€ufer zu dem Thema ĂŒberhaupt aussagefĂ€hig ist; nicht jeder Youngtimer-Besitzer hat sich mit dem Thema schon tiefergehend beschĂ€ftigt. Immer wieder gibt es auch ausweichende Antworten – auch ein Hinweis…

2ïžâƒŁ Wenn die Aussage lautet, dass das Fahrzeug kein Rostproblem hat, frage ich nach Fotos vom Unterboden. Eigentlich sind derartige Fotos bei Tageslicht mit einem Smartphone unter dem Auto nicht schwer zu machen; dennoch sind sie kaum in Inseraten zu finden. „Idealerweise“ sollte ein Youngtimer-Inserat solche Fotos direkt enthalten, finde ich.

Gibt es vereinzelt durchaus: Youngtimer-Inserate, die mit gut sichtbaren Fotos auf den Zustand des Unterbodens eingehen – vorbildlich!

Wenn sich dieser Dialog vielversprechend entwickeln, geht es bei der Besichtigung vor Ort weiter:

3ïžâƒŁ Bei geöffneten TĂŒren empfiehlt sich ein kritischer Blick mit der Taschenlampe auf die Randbereiche der Einstiegsleisten. Je nach Modell treffen hier Schweisskanten aufeinander und/ oder Feuchtigkeit sammelt sich dort. Hier ist ein Beispiel aus einem BMW 730i der Baureihe E32 zu sehen: Wenn der Rost unter der Verkleidung schon so sichtbar wird, wartet eine einigermaßen dringende Behandlung.

Bei der Besichtigung sollten jetzt die Sinne geschÀrft sein, ob noch weitere Rostnester zu erahnen sind.

Wenn der Rost unter der Verkleidung des Schwellers schon so sichtbar wird wie bei diesem BMW E32, wartet eine einigermaßen dringende Behandlung.

4ïžâƒŁ Dann die Eckbereiche rund um die TĂŒren kritisch beleuchten – hier treffen ebenso Bleche aufeinander und sind der Feuchtigkeit ausgesetzt. Die Roststelle in diesem Jaguar X308 ist noch nicht kritisch, aber muss behandelt werden.

TĂŒrkanten offenbaren an der unteren Seite gerne Rostansatz, da sich hier das Regenwasser in den Ecken sammelt und auf SchweißnĂ€hte trifft, an denen Bleche in der Bewegung gegeneinander arbeiten. Diese Stelle wirkt klein und unscheinbar, ist aber faktisch sicherlich deutlich grĂ¶ĂŸer als hier sichtbar.

Im Zuge der TĂŒrrahmen und Schweller schaue ich mir auch die Unterkanten der TĂŒren an. Sie sind naturgemĂ€ĂŸ Feuchtigkeit und SteinschlĂ€gen ausgesetzt.

Rostige Kante der FahrertĂŒr eines Siebener-BMW der Baureihe E32: Nicht kritisch, aber es besteht ein Handlungsbedarf, wenn man die TĂŒr dauerhaft erhalten möchte.

5ïžâƒŁ Im Motorraum gibt es je nach Modell typische Stellen, an denen Bleche Rost offenbaren können. Man sollte dabei auch unter Gummidichtungen schauen. Bei diesem Jaguar X308 beispielsweise war ich einigermaßen ĂŒberrascht – die Vermutung liegt nahe, dass sich dieses Rostproblem in Richtung Spritzwand und Rahmen fortsetzt.

Wenn es unter den Gummidichtungen im Motorraum so aussieht, ist das kein gutes Omen im Hinblick auf versteckte Rostnester an Rahmen, Spritzwand oder Vorderachse

Je nach Modell kann es im Motorraum auch noch andere kritische Stellen geben, zum Beispiel unter der Batterie.

6ïžâƒŁ Weiter geht es mit einem Blick unter Gummidichtungen am Äußeren der Karosserie. In den unteren Ecken der Heckscheibe steht gerne Feuchtigkeit unter der Gummidichtung, was zu Rost fĂŒhren kann. Wenn es so aussieht wie hier, ist eine entsprechende Maßnahme erforderlich – Heckscheibe raus, Entrostung, Lackierung, Heckscheibe wieder einsetzen.

Wenn es am Rahmen der Heckscheibe so aussieht wie hier, ist eine Behandlung der Karosserie erforderlich

Wenn sich der Rost am Heckscheibenrahmen erkennbar, flĂ€chig und von unten kommend ausbreitet, kann es teuer werden. Bei diesem Beispiel an einem Mercedes W 126 wĂŒrde ich in einer Werkstatt mit Kosten von mindestens 4.000 Euro rechnen.

Beispiel fĂŒr Rost im Bereich des Heckscheibenrahmens an einem Mercedes W126, der sich möglicherweise von unten kommend flĂ€chig ausbreitet – die nachhaltige Beseitigung wird hier schon recht aufwĂ€ndig.

7ïžâƒŁ Im Kofferraum achte ich besonders auf die Reserveradmulde, da sich dort Feuchtigkeit sammeln und Rost entstehen kann. Dabei sollte man die SchweißnĂ€hte, Falze und ÜbergĂ€nge zu den RadkĂ€sten sorgfĂ€ltig kontrollieren, weil sich hier Korrosion oft zuerst zeigt. Generell prĂŒfe ich den Boden unter Teppichen oder Verkleidungen sowie die Bereiche unter DĂ€mmmatten auf Blasenbildung, weiche Stellen oder nachtrĂ€gliche Reparaturbleche. Man sollte sich außerdem die Dichtungen und den Bereich um die Heckklappe ansehen, da eindringendes Wasser langfristig zu RostschĂ€den fĂŒhren wird. Generell sollte der Kofferraum trocken sein und auch nicht modrig riechen.

Der Blick hinter die Teppichabdeckung im Kofferraum dieses Saab 9-5 offenbar Handlungsbedarf (Bildquelle: Saab-cars.de)

8ïžâƒŁ Besonders interessant sind die Wagenheberaufnahmen, da sie je nach Modell buchstĂ€blich einen Blick ins Innere der Karosserie ermöglichen. Bei einigen Modellen wie z.B. diversen Mercedes-Baureihen ist dazu eine Kunststoff-Abdeckung zu entfernen, was fĂŒr alle vier Wagenheberaufnahmen bei einer Besichtigung auch tatsĂ€chlich geschehen sollte.

Eine kritische Betrachtung aller vier Wagenheberaufnahmen gehört immer zur Besichtigung der Karosserie

9ïžâƒŁ Entscheidend ist es bei einer Besichtigung fĂŒr mich, ein gutes Bild vom Unterboden zu bekommen. Eigentlich sind dazu eine HebebĂŒhne und eine Taschenlampe erforderlich. Bei guten LichtverhĂ€ltnissen kann man aber auch, auf dem Boden liegend, einen ersten Eindruck mit der Kamera des Smartphones gewinnen. Diese Bilder von einem BMW 730i (E32) habe ich beispielsweise einfach auf dem Parkplatz bei der Besichtigung gemacht. Sie vermitteln einen Eindruck, wie es von unten aussieht: Nicht völlig rostfrei, aber alles in allem ganz solide – tendenziell kein FlĂ€chenbrand.

Interessant sind beim Blick von unten auch die Schweller entlang der Seiten. In diesem Beispiel trifft man auf OberflÀchenrost, der noch gut zu beheben sein, aber nichtsdestotrotz dringend angegangen werden sollte.

Gut bei diesem Auto: Man sieht noch den werksseitigen Lack. Weniger gut: Hier ist dringender Handlungsbedarf geboten.

Schwieriger wird die Bewertung, wenn sich das Bild wie bei diesem Jaguar X308 darstellt. Das Gros der sichtbaren FlĂ€che ist rostfrei, aber rund um Öffnungen ist Rost zu erkennen – da wĂ€chst das Fragezeichen, wie es darunter aussieht.

Nicht trivial zu bewerten: Hier zeigt sich Rost an einem ansonsten gut aussehenden Unterboden an den Öffnungen in Richtung Innenleben der Karosseriestruktur

Am Unterboden ist auch ein Fokus auf Stellen wichtig, wo Bleche unter dem Rostschutz aufgehen. Eine Schutzschicht wie die auf dem folgenden Foto wurde offensichtlich nicht werksseitig produziert, sondern bei einer Reparatur halbwegs (un-) fachmÀnnisch erstellt. Bei genauer Betrachtung gehen die Bleche unter dem Rostschutz allmÀhlich wieder auf.

Wenn die Bleche unter dem Rostschutz aufgehen, ist das ebenfalls kein gutes Zeichen – auch hier besteht Handlungsbedarf

Wenn hingegen ausschließlich die Achskomponenten rostig sind, ist das nicht unbedingt ein Drama. Sie lassen sich in aller Regel zur Not erneuern, wenn eine Rostbeseitigung nicht mehr möglich sein sollte.

Wenn Anbauteile wie Achskomponenten oder Teile der Abgasanlage rosten, ist das nicht unbedingt ein Drama, da sie sich in der Regel gut austauschen lassen. Allerdings stellt sich bei einem Fall wie hier die Frage, wo der Rost noch ĂŒberall lauert.

🔟 Zum Abschluss finde ich es wichtig, sich ganz bewusst das Gesamtbild eines Fahrzeugs vor Augen zu fĂŒhren. In aller Regel ist fĂŒr mich nicht die einzelne Roststelle kritisch. Ich möchte einem Youngtimer aus dem Weg gehen, der ein grundsĂ€tzliches Rostproblem hat, und bei dem ich immer wieder mit Aufwendungen fĂŒr Rostbehebungen rechnen muss.

Warum sind auch kleine Hinweise ernst zu nehmen? 🔍

Bei aller GrĂŒndlichkeit bin ich mir der Tatsache bewusst, dass nicht alle Rostherde bei einer Besichtigung erkennbar sind. Was unter den Plastikverkleidungen der Karosserie oder an der Spritzwand blĂŒht, ist bei einer Besichtigung schlichtweg nicht zu sehen. Die Bilder dieses BMW 5er der Baureihe E34 verdeutlichen das.

âžĄïž Genau deswegen sind aus meiner Sicht auch kleine Roststellen an Karosserie und Rahmen, die fĂŒr sich vielleicht gut zu beheben sind, ernst zu nehmen. Sie könnten ein Hinweis darauf sein, dass der Rost auch an anderen Stellen blĂŒht.

Andersherum formuliert: Wenn alle zugĂ€nglichen Stellen rostfrei sind, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass an den nicht zugĂ€nglichen Stellen grĂ¶ĂŸerere Probleme warten.

Herausforderung Unterbodenschutz unter dem Auto❗

Bei vielen Youngtimern wurde der Unterboden bereits behandelt und mit Schutzmaterialien beschichtet. Dabei wurde der Unterboden oft mit Trockeneis gestrahlt, um den werksseitigen Unterbodenschutz zu entfernen, und dann verschiedenartige Schutzmaterialien aufzutragen. Meist handelt es sich dabei um bitumenbasierte oder kunststoffbasierte Beschichtungen (z. B. PVC- oder Kautschukbasis), die Steinschlag und Feuchtigkeit abhalten sollen. Das ist erstmal eine gute Sache, denn diese Schutzmaterialien schĂŒtzen Bleche vor Schmutz und Feuchtigkeit.

Dieser Jaguar XJ40 sah nicht ab Werk so schwarz aus, sondern wurde nachtrÀglich mit einem schwarzen Unterbodenschutz beschichtet.

Allerdings haben diese Beschichtungen in aller Regel einen großen Nachteil beim Kauf eines solchen Fahrzeugs: Man kann schlichtweg nicht mehr sehen, was in den Jahren seit der Behandlung unter der Schutzschicht passiert ist. Wenn man den Zustand der Bleche prĂŒfen möchte, mĂŒsste man die Beschichtung mindestens stichprobenartig an verschiedenen Stellen abkratzen. Das ist bei einer Besichtigung natĂŒrlich kaum möglich!

Das geht bei einer Besichtigung in aller Regel nicht: Stichprobenartiges Abkratzen der Schutzschicht um herauszufinden, wie es darunter aussieht – in diesem Fall rostig.

Ich habe fĂŒr mich deshalb diese grundsĂ€tzliche Entscheidung getroffen (die man natĂŒrlich so nicht teilen muss):

⚠ Ich selbst kaufe keine Youngtimer mehr mit nachtrĂ€glich aufgebrachtem Unterbodenschutz. Die Intransparenz und das Risiko sind mit zu groß.

Gibt es tatsÀchlich rostfreie Youngtimer?

Ja, es gibt sie. 😊 Allerdings sind sie, wie bereits erwĂ€hnt, je nach Hersteller und Modell, unterschiedlich schwierig zu finden. Zwei persönliche Erfahrungswerte: Bei einem Jaguar X300/X308 wird man lange und intensiv suchen mĂŒssen und nur mit viel Ausdauer ein halbwegs rostfreies Fahrzeug finden, zumindest was Autos mit deutscher Historie angeht. (In SĂŒdeuropa mag das anders aussehen.). Bei Mercedes und BMW der spĂ€ten 80er Jahre hat man oft mehr GlĂŒck. Bei dem SL der Baureihe R129 hört man in der Szene nur selten von ernstzunehmenden Rostproblemen. Erfreulicherweise sieht auch mein R129 von unten noch sehr unversehrt aus.

Blick unter meinen 1992er Mercedes 300 SL-24 (Laufleistung rund 52.000 km), aufgenommen im Jahr 2024 und mithin in einem Fahrzeugalter von 32 Jahren: Hier habe ich bis heute noch keinen Rost finden können.

Etwas jĂŒnger, aber vergleichbar rostfrei sieht es unter meinem 2006er BMW 320 Ci Cabriolet der Baureihe E46 aus. Auch zu diesem Fahrzeug muss man allerdings sagen, dass es zeitlebens ein Schönwetterauto war, das zum Zeitpunkt der Aufnahme nur rund 25.000 km gelaufen hat.

Blick unter meinen 2006er BMW 320 Ci (Laufleistung hier zugegebenermaßen nur rund 25.000 km), ebenfalls optisch rostfrei

Bei Ă€lteren Jaguar, Peugeot oder Fiat aus Deutschland wird man deutlich lĂ€nger nach einem rostfreien Unterboden suchen mĂŒssen, aber die Suche lohnt sich aus meiner Sicht.

Herausforderung Rostentfernung ⚒

Wer einen bestimmten Youngtimer unbedingt haben möchte, wird schnell auf folgendes Gedankenspiel kommen: Im Grunde könnte ich doch diesen partiell von Rost befallenen Youngtimer kaufen und den Rost entfernen (lassen) – oder?

Ja, im Grunde ist das so – allerdings ist es vorteilhaft, wenn man sich bei diesem Gedankenspiel ein paar relevanter Fakten bewusst ist. Deshalb möchte ich zu guter Letzt noch ein paar Erfahrungswerte zur Rostentfernung teilen, auch wenn das mal einen gesonderten Beitrag wert wĂ€re.

⚠ Trockeneisstrahlen ist keine Methode zur Rostentfernung, lediglich eine Reinigungsmethode. Mit dem Trockeneisstrahlen wird der Unterbodenschutz abgetragen, so dass der Zustand der Bleche sichtbar ist. Mit Trockeneisstrahlen lĂ€sst sich auch der Rost (bzw. das Eisenoxid) nicht aus den Blechen entfernen, wenn der Rostvorgang einmal begonnen hat. Es ist deshalb nicht sinnvoll, an einem rostigen Youngtimer nach dem Trockeneisstrahlen eine Schutzschicht aufzutragen – so einfach ist es nicht. Wenn man die Rostentfernung richtig angeht, mĂŒssen rostige Stellen intensiv sandgestrahlt werden, dann kommen die nĂ€chsten Wahrheiten ans Tageslicht.

⚠ Eine echte Rostentfernung kann bei einem Youngtimer mit einer Vielzahl an Rostherden ein sehr aufwĂ€ndiges Projekt werden. OberflĂ€chenrost lĂ€sst sich vergleichsweise einfach abtragen, wenn man denn alle Stellen sieht und angeht. Falz- und Kantenrost ist hartnĂ€ckig und kommt oft zurĂŒck, wenn er nicht tiefgehend behandelt wird. FĂŒr eine dauerhafte Rostentfernung ist es notwendig, die betroffenen Bauteile zu zerlegen, den Rost vollstĂ€ndig aus dem Material zu entfernen (das ist idealerweise eine Kombination aus einem abrasiven Verfahren wie Sandstrahlen mit einer chemischen Behandlung bspw. mit PhosphorsĂ€ure, um das Eisenoxid im Blech umzuwandeln), und dann sauber zu grundieren. Bei einer Durchrostung hilft nur eine fachgerechte Reparatur durch Ausschneiden und Einschweißen. Spachtel oder Glasfaser sind keine Lösungen!!

⚠ Auch nach einer intensiven Rostentfernung bleibt das Risiko, dass das zuvor gebildete Eisenoxid an versteckten Stellen nicht vollstĂ€ndig entfernt wurde und der Rost im Laufe der Jahre unter der Grundierung zurĂŒckkehrt. Gerade nach einer aufwĂ€ndigen Rostbeseitigung ist deshalb eine regelmĂ€ĂŸige Kontrolle beim Spezialisten entscheidend. Wer behauptet, einen vom Rost befallenen Youngtimer dauerhaft garantiert vom Rost befreien zu können, ist schlicht unseriös.  

⚠ Eine intensive Rostentfernung ist ein aufwĂ€ndiger, komplexer Prozess, fĂŒr den man viel Erfahrung braucht. Dazu gehört vor allem auch eine konsequente Vorsorge nach der Entfernung, mit hochwertigen Grundierungen und einer Hohlraumversiegelung mit Wachs oder Fett. Ich halte es deshalb fĂŒr absolut sinnvoll, eine solche tiefgreifende Rostbehandlung und Rostvorsorge bei einem echten Spezialisten machen zu lassen, der darin viel Erfahrung hat. Die regulĂ€re Kfz-Werkstatt, die nebenbei Trockeneisstrahlen plus Unterbodenschutz anbietet, macht auf lange Sicht unter UmstĂ€nden mehr kaputt als sie hilft.

Ich finde, dieses Video der Firma Rostschutz-NRW in Krefeld von der Rostentfernung bei einem Mercedes 190D verdeutlicht den Aufwand ganz gut. 

YouTube-Video der Firma Rostschutz-NRW in Krefeld zur Rostentfernung bei einem Mercedes 190 D

💾 Die AufwĂ€nde fĂŒr einen solchen Prozess sind je nach Fahrzeug, Rostbefall und Technologie sehr unterschiedlich. Mit so einer umfassenden Behandlung wie hier im Video kommt natĂŒrlich ein gutes StĂŒck in den fĂŒnfstelligen Eurobereich hinein. Ich nenne hier dennoch einmal ganz grobe GrĂ¶ĂŸenordnungen von Kosten, wie ich sie in den vergangenen Jahren immer wieder mal erlebt oder berichtet bekommen habe.

  • FĂŒr einen professionelle Trockeneisbehandlung sind schnell 1.000 Euro fĂ€llig, je nach Aufwand auch mehr.
  • FĂŒr das Ausschneiden und Einschweissen von neuen Blechen sind schnell je Stelle 2-3.000 Euro fĂ€llig, auch das kann bei komplexen Operationen mehr werden (wenn zum Beispiel der Innenraum teilweise ausgebaut werden muss). 
  • Eine professionelle Rostentfernung plus einer flĂ€chigen Rostschutzbehandlung kostet bei einem Youngtimer, dessen Roststellen ĂŒber die Karosserie verteilt ist, schnell 15.000 Euro und mehr. (Damit ist mitnichten eine Komplettrestauration gemeint!) Alleine fĂŒr den Austausch von Achsteilen gehen dabei oft schon mehrere Tausend Euro drauf. 

Fazit: Rost ist kein Todesurteil fĂŒr einen Youngtimer, erfordert aber einen realistischen Blick.

✅ Meine „Rost-Checkliste“ fĂŒr den Youngtimer-Kauf

Ich fasse nochmal stichpunktartig zusammen, wie ich im Hinblick auf Rost vorgehe:

1. Vor der Besichtigung klĂ€ren đŸ•°ïž

  • Aktiv hinterfragen, was der VerkĂ€ufer zum Rostbefall und zur Rosthistorie sagen kann  
  • Um brauchbare, aktuelle Bilder vom Unterboden bitten
  • Vor der Besichtigung klĂ€ren, ob eine HebebĂŒhne oder Grube verfĂŒgbar ist, um das Auto von unten zu sehen

2. Besichtigung vorbereiten (mitnehmen) ✅

  • Helle Taschenlampe
  • Lackschichtdicken-MessgerĂ€t 
  • Kleiner Spiegel (fĂŒr schwer einsehbare Situationen unter dem Fahrzeug)
  • Ggf. dĂŒnne Handschuhe
  • Ggf. altes Tuch / Knieschutz

3. Kritische Stellen vor Ort gezielt abarbeiten 🚗

  • RadhĂ€user und Innenkanten aller vier RadlĂ€ufe prĂŒfen (innen & außen, auch unter der Kante fĂŒhlen)
  • Schweller und Einstiegsleisten der TĂŒren prĂŒfen
  • Untere TĂŒrkanten aller vier TĂŒren prĂŒfen
  • Kofferraumdeckel unten prĂŒfen 
  • Bereich des Tankdeckels prĂŒfen 
  • Motorhaubenkanten prĂŒfen
  • Wie sieht es unter den Dichtungen aus? TĂŒrdichtungen unten, Heckscheibendichtung unten, Dichtungen im Motorraum vorsichtig anheben und unterleuchten
  • GrundsĂ€tzlich kritisch prĂŒfen: Scheibenrahmen (Front- & Heckscheibe)
  • Teppiche im Fußraum und Kofferraum anheben und auf Rost oder Feuchtigkeit prĂŒfen
  • Wagenheberaufnahmen prĂŒfen 
  • Generelle SichtprĂŒfung der Übergange Stoßstange ↔ Karosserie, dabei seitliches Licht verwenden, um Wellen und Spachtel zu erkennen

4. Unterboden besonders prĂŒfen đŸ”œ

Mit Taschenlampe in alle Falze, Dome und Aufnahmen leuchten

Kritische Bereiche:

  • Generell: Stellen, an denen sich verschiedene Bleche und Karosserieteile mit SchweissnĂ€hten/ -punkten treffen
  • Schweller-Unterseiten innen entlang der Karosserie
  • Wagenheberaufnahmen
  • Achsaufnahmen, LĂ€ngstrĂ€ger, QuertrĂ€ger, RadhĂ€user 
  • Federbeindome 
  • Auspuffhalterungen 
  • Bodenbleche

Warnzeichen:

  • NachtrĂ€glicher Unterbodenschutz kann Rost verdecken
  • AbblĂ€tternder Unterbodenschutz
  • SchweißnĂ€hte, die nicht original wirken 
  • Weiche Stellen beim Klopfen oder „aufgehende“ Stellen 
  • Struktureller Rost an tragenden Teilen = sehr teuer 

5. Klopfen, fĂŒhlen & messen 📐

  • Messung der Lackschichtdicke – insbesondere, um gespachtelte Stellen oder Glasfaser zu finden 
  • Dumpfe, weiche Stellen = verdĂ€chtig
  • Aufgequollener Unterbodenschutz = oft Rost darunter

6. Auch den Innenraum sorgfĂ€ltig betrachten 🧳

  • Teppiche anheben und (je nach Modell) Blick auf die Bodenbleche werfen
  • Warnsignale: Feuchte Matten, muffiger Geruch, Feuchtigkeit in der Reserveradmulde
  • Teppiche im Fußraum anheben (vor allem Fahrer- und Beifahrerseite)
  • Reserveradmulde im Kofferraum prĂŒfen
  • Unter RĂŒckbank schauen, wenn möglich
  • Feuchtigkeit oder muffiger Geruch?
  • Feuchte Stellen = oft Rost von unten oder undichte Scheiben.

7. Hinweise wĂ€hrend der Probefahrt đŸŽïž

  • Poltern, schwammiges FahrgefĂŒhl
  • Unruhige Bremsen

8. Dokumente prĂŒfen 🔖

  • FrĂŒhere HU-Berichte auf Hinweise zu „Korrosion“ durchsehen, falls vorhanden
  • Fotos/ Belege fĂŒr frĂŒhere Reparaturen durchsehen, falls vorhanden

Damit wĂŒnsche ich Euch viel Erfolg beim nĂ€chsten Youngtimer-Kauf! 😉 Solltet Ihr ErgĂ€nzungen haben, Anregungen oder gerne auch Fallbeispiele, freue ich mich ĂŒber Kommentare unter dem Beitrag oder eine Email (michael@mein-youngtimer.com)!

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