
Geht es nur mir so? Immer, wenn ich ein halbwegs gut erhaltenes Audi Cabriolet sehe, bewundere ich zumindest innerlich die gelungene, elegante Linienführung. Es gibt wenige Youngtimer-Cabrios, deren äußere Linie aus fast allen Perspektiven so stimmig ist. Genauso ging es mir, als ich kürzlich am Straßenrand im Nachbarort diesem parkenden Audi begegnete. Augenscheinlich ein sehr schöner Zustand, isisrot metallic, eine starke Farbe, das Stoffverdeck in granatrot, innen beiges Leder namens Ecrue. Am Heckdeckel prangt bescheiden die 1.8 und offenbart, dass es sich um ein spätes Modell handelt, denn diese Basismotorisierung mit 125 PS wurde erst 1997 nachgelegt. (Das Audi Cabrio war da schon sechs Jahre am Markt.)
Und trotzdem steht das Audi Cabriolet mit der Bezeichnung Typ 89 weit weniger im Fokus der Youngtimer-Szene als viele andere Cabrios aus derselben Generation. Es gibt eben Youngtimer, die altern leise. Sie sammeln keine spekulativen Sammler ein, sie sehen einfach Jahr für Jahr besser aus. Während E30-Cabrios, Mercedes R129 und sogar Golf I Cabrios längst deutlich über der 10.000-Euro-Marke liegen, bekommt man ein gepflegtes Audi Cabrio mit fünf Zylindern oder V6 oft noch ein Stück darunter.
Höchste Zeit, sich diesen unterschätzten Klassiker genauer anzusehen. Wer sich ein bisschen in den „Spirit“ des Audi Cabrios einfinden möchte, findet bei YouTube verschiedene interessante Videos.
Diese Probefahrt eines Audi Cabrio 2.3 E mit dem charakteristischen Fünfzylinder und im typischen Laserrot des Kanals Garagengold fand ich beispielsweise sehr interessant.
In diesem YouTube-Video stellt Audi-Liebhaber Helge Busemann uns ein schönes, silbernes Audi Cabrio 2.8 V6 genauer vor. (Ich finde übrigens auch, dass mein hypothetisches Audi Cabrio genau diese Zehnspeichen-Felgen mit 17″ haben müsste!)
Vorab ein bisschen Geschichte zum ersten Audi Cabriolet
Als Audi im Frühjahr 1991 sein erstes eigenes Cabriolet vorstellte, war das eine kleine Sensation: Es war das erste offene Modell der Marke überhaupt. Die Basis bildete der Coupé-Aufbau auf der B3-Plattform des Audi 80 — mit vollverzinkter Karosserie, langer Motorhaube und der eleganten, in die Haube integrierten Kühlermaske, die das Cabriolet noch vor dem Coupé bekam.
Die Designer um J Mays und Hartmut Warkuß zeichneten eine Linie, die so zurückhaltend und gleichzeitig so selbstbewusst wirkte, dass Audi sie über neun Modelljahre praktisch unverändert beibehalten konnte. Kein klobiger Überrollbügel, kein nervöses Facelift-Geflicke — nur eine sanfte Modellpflege 1997 mit neuen Schürzen, runderen Scheinwerfern und überarbeiteter Front. Dass Lady Diana privat ein dunkelblaues Exemplar fuhr, hat dem Image bis heute nicht geschadet.

Die Messwerte des neuen Audi-Modells, das anfangs ausschließlich mit dem 2,3 Liter-Fünfzylindermotor angeboten wurde, stellten im Jahr 1991 durchaus zufrieden. So urteilte auto motor und sport über die Fahrleistungen: „Mit […] den messbaren Fahrleistungen kann man zufrieden sein: 11,9 Sekunden von null bis 100 km/h und eine Spitze knapp unter 200 km/h, ein Cabrio ist damit gut gerüstet. […] Obwohl das flotte Vorankommen den gelegentlichen Einsatz von niedrigen Gängen und hoher Drehzahl erfordert, bleibt der Testverbrauch auf dem wirtschaftlichen Niveau der Normwerte.“

Im September 2000 lief nach rund 72.000 gebauten Exemplaren das letzte Audi Cabrio vom Band — die letzten beiden Jahre übrigens nicht in Ingolstadt, sondern beim Cabrio-Spezialisten Karmann im westfälischen Rheine. Das Audi Cabrio wurde also stolze neun Jahre gebaut. Der Nachfolger, das A4 Cabriolet, kam dann erst 2002. Und seit 2024 gibt es bei Audi gar kein Cabriolet mehr… 😟
Mehr Details über die Historie findet sich natürlich im Internet, zum Beispiel auf der Wikipedia-Seite des Audi Cabrios Typ 89.
Sieben Motoren, zwei Favoriten
Über die Bauzeit von neun Jahren standen sieben Motorvarianten im Angebot — eine ungewöhnlich breite Palette für ein Nischenmodell:
| Motor | Bauzeit | Leistung | Charakter |
|---|---|---|---|
| 2.3 E (R5) | 1991–1994 | 133 PS | Sonor, der Klassiker |
| 2.0 E (R4) | 1993–1995 | 116 PS | Solide, etwas behäbig |
| 2.0 16V (R4) | 1995–2000 | 140 PS | Drehfreudig, ausgewogen |
| 1.8 5V (R4) | 1997–2000 | 125 PS | Spätbau, modern |
| 1.9 TDI (R4) | 1995–2000 | 90 PS | Welt-Premiere: erstes Diesel-Cabrio |
| 2.6 V6 | 1993–2000 | 150 PS | Laufruhig, harmonisch |
| 2.8 V6 | 1992–2000 | 174 PS | Souverän, klingt gut, das Topmodell |
Egal mit welchem Aggregat, das Audi Cabrio war kein „Dynamikmonster“. Unter die magische 10-Sekunden-Schwelle bei der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h schaffte es nur einer, der 2.8 V6, und auch ihm gelang das nur ganz knapp. Alle Motoren sind eher zum Cruisen ausgelegt. Meine Tipps für einen Youngtimer lauten wie folgt:
Der kultige Fünfzylinder 2.3 E steht wie kein anderer Motor für Audi der 90er Jahre und ist etwas besonderes – wo sonst gibt es ein Cabrio mit Fünfzylinder? Es ist vermutlich auch der solideste Motor im Angebot und er ist am häufigsten auf dem Markt anzutreffen. Er hört sich gut und sonor an, ist allerdings kein besonders leistungsstarker Antrieb.
Der 2.8 V6 trifft als Topmodell meinen „Sweet Spot“. Er klingt gut und fährt seidig. Es ist das Topmodell und bietet die besten Fahrleistungen der Modellpalette. Vom 1.9 TDI rate ich aus Sammlersicht ab: Er ist technisch interessant als historisches Novum, aber das Nageln im offenen Wagen ist Geschmackssache, und das H-Kennzeichen ist mit Diesel oft eine Diskussion. Quattro-Frans müssen sich übrigens umorientieren: Einen quattro gab es nie in Serie, obwohl Audi intern damit liebäugelte und sogar Werbematerial existierte. Alle Cabriolets sind reine Fronttriebler mit Fünfgang-Schaltung oder Vierstufen-Automatik.

Was ein gutes Cabriolet heute kostet
Die Preisspanne ist breit, und genau das macht den Markt so spannend:
- Bastlerautos / Projekte: 2.000 – 5.000 €
- Gepflegter Alltagsklassiker (TÜV neu, jedoch ein paar kleine Mängel): 5.000 – 8.000 €
- Guter Zustand, scheckheftgepflegt: 8.000 – 12.000 €
- Sehr guter Zustand, geringe Laufleistung, V6-Motor, Sammlerqualität: 12.000 – 18.000 €
Ein sauberer 2.8 V6 in gutem Zustand liegt aktuell tatsächlich häufig bei rund 10.000 Euro — und damit auf dem Niveau, das ein Mercedes 300 SL der Baureihe R129 oder ein BMW 325i E30 Cabrio vor zehn Jahren hatten. Die Tendenz ist klar: Mit jedem Modelljahr, das ins H-Kennzeichen rutscht, ziehen die Preise an. Schauen wir uns konkrete Beispiele auf mobile.de an (dieser Link führt Euch direkt zu aktuellen Audi Cabrio-Inseraten auf mobile.de).
Im Preisbereich um 5.000 Euro finden sich noch überraschend viele Cabrios auf den gängigen Portalen, viele mit dem besagten 2.3-Liter-Fünfzylinder. In den Inseratstexten dieser Preisklasse stößt man zumeist auch auf die Erwähnung „kleinerer Mängel“ wie z.B. abgeplatztem Klarlack, kleinen Löchern im Verdeck, langen Stillstandszeiten oder ähnlichem. Mit anderen Worten: In dieser Preisklasse muss man genau hinsehen, man trifft auf Fahrzeuge in sehr unterschiedlichem Zustand.
Ein durchaus ansehnliches Exemplar ist dieses dunkelgrüne Audi Cabrio 2.3 E. Es steht auf den Fotos gut da, im Inserat wird jedoch auf viele Jahre Standzeit in einer Scheune hingewiesen. Für unter 6.000 Euro bekommt man ein optisch gutes Auto, das man aber hinsichtlich Standschäden genau ansehen muss.

Für unter 8.000 Euro steht dieses späte Audi Cabrio 1.8 E laut Inserat optisch und technisch deutlich besser da. Im Inserat ist keine Rede von Mängeln, der Händler ist bestens bewertet, und das Cabrio hat eine ausgefallene Farbkombination „Mandarin Exclusive“. Die Laufleistung ist mit 174.500 km etwas höher, das würde mir bei guter Pflege aber keine allzu großen Sorgen machen. Akzeptieren muss man hingegen, dass der 1.8 Liter-Motor nicht sonderlich aufregend wirkt. So oder so bekommt man hier für unter 8.000 Euro ein schickes, ausgefallenes und farbenfrohes Youngtimer-Cabriolet!

Im Preisbereich über 10.000 Euro kommen die interessanten V6-Modelle ins Spiel. Dieses 2.8 V6-Cabrio hat zwar schon gut 200.000 km gelaufen, scheint aber optisch noch sehr gut dazustehen. Die dunkelblaue Metallic-Lackierung gefällt mir sehr gut (könnte mingblau metallic sein), die Leder-Integralsitze in beige passen hervorragend dazu.

Oberhalb von 15.000 Euro finden sich vor allem Fahrzeuge mit sehr geringen Laufleistungen und offenbar sehr gutem Zustand. Wer ein Audi Cabriolet als langfristiges Liebhaberfahrzeug oder sogar Sammlungsauto sucht und wenn 5.000 Euro mehr oder weniger nicht entscheidend sind, gibt es hier sehr verlockende Fahrzeuge.
Ein Beispiel dafür ist dieses 2.6 V6-Cabriolet mit S-Line-Ausstattung in blauem Leder und offenbar nur 47.000 km Laufleistung.

Alles in allem gibt es nach wie vor ein recht großes Angebot in einem ungewöhnlich breitem Preisspektrum. Bemerkenswert finde ich, dass es unter 10.000 Euro noch zahlreiche sehr schöne Fahrzeuge zu geben scheint!
Worauf man beim Kauf achten sollte
Die gute Nachricht: Die vollverzinkte Karosserie macht das Audi Cabriolet zu einem der rostresistentesten Cabrios seiner Epoche. Trotzdem gibt es Punkte, die man systematisch abklopfen sollte:
Karosserie und Unterboden
- Wagenheberaufnahmen und Schweller — hier sammelt sich Schmutz unter den Abdeckungen
- Stehbleche im Kofferraum, Ersatzradmulde
- Endspitzen der Türen (Wassersackbildung)
- Übergänge Front-/Heckschürze zur Karosserie
Verdeck und Hydraulik
- Verdeckstoff auf Risse an den Spannkanten und im Heckscheibenrahmen prüfen
- Heckscheibe (bei frühen Modellen noch Kunststoff, später Glas mit Heizung) auf Trübung und Risse kontrollieren
- Verdeckhydraulik: Im Stand mehrfach öffnen und schließen lassen. Stockt es, pumpt der Motor laut oder läuft Öl aus den Zylindern, wird’s teuer
- Verdeckkastendeckel muss sauber schließen — Spaltmaße prüfen
Technik
- Beim V6: Zahnriemenwechsel-Intervalle sind heilig. Letzter Wechsel dokumentiert? Sonst einkalkulieren (ca. 800–1.200 Euro)
- Beim Fünfzylinder: Hydrostößel können klackern, meist nicht dramatisch
- Automatikgetriebe: Ölwechsel-Historie erfragen; harte Schaltvorgänge sind ein Warnsignal
- Klimaanlage: Funktioniert sie noch? Umrüstung von R12 auf R134a ist Pflicht und nicht ganz billig
Elektrik
- Zentralverriegelung (pneumatisch) auf Funktion prüfen
- Fensterheber arbeiten langsam? Meist die Mechanik, nicht der Motor
- Tachobeleuchtung, Lüfterregler — typische Altersschwächen
Interieur
- Leder (vor allem die Fahrerwange) auf Risse prüfen
- Stoffsitze: Velours hält erstaunlich gut, Schaumstoff bricht aber gerne ein
- Holzdekor in den Türverkleidungen: Lackrisse sind häufig
Wäre das Audi Cabrio für mich die bessere Wahl (als mein R129)?
Der Markt für 90er-Cabrios bewegt sich. Der Mercedes SL R129 ist durchgestartet, BMW E30 und E36 Cabrios ziehen an, selbst das einst belächelte „Erdbeerkörbchen“ Golf 1 Cabrio bringt für gute Exemplare über 10.000 Euro. Das Audi Cabriolet hinkt dieser Bewegung offenbar ein paar Jahre hinterher, was es aktuell zu einem der günstigsten Premium-Youngtimer-Cabrios macht.
Dazu kommen handfeste Argumente für den Alltag: Vier vollwertige Sitze, ein nutzbarer Kofferraum, gute Ersatzteilversorgung (vieles ist mit Audi 80, Coupé und teils auch VW Passat B3/B4 kompatibel) und eine aktive Community in Foren wie audidrivers.de oder Audi-Cabrio-Info.
Aber wäre es als Youngtimer-Cabrio die bessere Wahl als mein R129? Die Antwort dürfte, wie so oft, lauten: Kommt drauf an. Für einen Vergleich zu meinem Mercedes 300 SL-24 würde sich ein sehr gut erhaltenes, edel ausgestattetes Audi 2.8 V6 Cabrio anbieten. Im direkten Vergleich würde ich die wesentlichen Vor- und Nachteile des Audis wie folgt einschätzen:
| Die wichtigsten Vorteile eines Audi Cabrio 2.8 V6 | Die wichtigsten Nachteile eines Audi Cabrio 2.8 V6 |
|---|---|
| Erheblich preisgünstiger als der R129 | Innenraum qualitativ weniger hochwertig |
| Farbenfrohe Außen- und Innenausstattungen | Karosserie weniger verwindungssteif als beim R129 |
| Einfachere, unkompliziertere Technik | Geringere Leistung (174 PS statt 231 PS) |
| Vier Sitze und ein größerer Kofferraum | Frontantrieb statt Heckantrieb beim R129 |
| Vollverzinkte Karosserie | Ikonisches Design von Bruno Sacco |
Mein Fazit: Mir gefällt das Audi Cabrio optisch schlicht sehr gut! Im Vergleich zu meinem R129 hätte ich aber die Sorge, dass mir die Qualität, die Verwindungssteifigkeit sowie die kräftigeren Motoren des 300 SL-24 auf Dauer doch fehlen würden… Reizen würde mich ein schickes Audi Cabrio V6 aber nichtsdestotrotz mal. 🤔
Wie seht Ihr das Audi Cabriolet als Youngtimer und Liebhaberauto? Ich freue mich wie immer über Anregungen und Ergänzungen in den Kommentaren unter dem Beitrag 😊
PS: Ich habe beim Schreiben dieses Artikels nochmal die Prospekte hervorgeholt, die ich mir als Jugendlicher im Jahr 1993 beim örtlichen Audi-Händler namens Waldhausen + Bürkel geholt hatte – schon damals voller Faszination für dieses schöne Cabriolet. Hier sind die Scans zur Lektüre für Euch:













